Hund und ihr feines Näschen

Hunde und ihr feines Näschen: Phänomen mit Nutzen und Spaß

Hunde haben sensible Sinne. Wenn wir noch lange nichts hören, drehen sie schon das Ohr und heben den Kopf. Noch überlegener sind sie uns, was das Riechen betrifft. So werden Hunde immer öfter und in immer mehr Bereichen als Unterstützer eingesetzt.

Eine Hundenase ist dem menschlichen Geruchssinn stark überlegen: Während wir etwa fünf Millionen Riechzellen haben, können es bei Hunden deutlich über 200 Millionen sein, je nach Rasse und Nasenform unterschiedlich ausgeprägt. Auch der für das Riechen zuständige Hirnbereich ist bei Hunden deutlich spezialisierter. Sie können nicht nur sehr viel feinere Gerüche und Nuancen wahrnehmen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der ein Geruch kommt. Die Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Gerüche aufgenommen und analysiert werden können, sind ebenfalls vielfach höher als beim Menschen.

Im Einsatz werde „grundsätzlich unterschieden, ob Hunde eine Spur ausarbeiten, also etwa einer Fährte folgen, oder eine Witterung aufnehmen sollen, die sie bei Erkennen anzeigen“, beschreibt Jennifer Tschipang. Die Hundeführerin hat die Ausbildungsstätte Tiergestützte Interaktion & Coaching (TIC) gegründet und bildet dort mit dem Angebot „Dein Spürhund“ Hunde aus. Für die Fährtensuche oder das Mantrailing, das Verfolgen der Duftspur einer bestimmten Person, brauchen die Tiere einen Referenzgeruch, dem sie folgen sollen. Dafür reichen den Hunden die wenigen Geruchspartikel in der Luft oder an Gegenständen, nachdem die gesuchte Person vorbeigegangen ist. Die Hunde werden darauf trainiert, sich auf einen individuellen Geruch zu konzentrieren und alle anderen Eindrücke auszublenden. Zu Beginn sind das kleine Suchaufgaben auf begrenztem Raum – etwa nach Teebeuteln. Dann kommen größere Suchgebiete und weitere Gerüche als Ablenkung dazu. Findet der Hund das Objekt oder die Person, bekommt er eine Belohnung. Am Ende geht es darum, das Ziel auch unter widrigen Bedingungen zu finden und dem Hundeführer bei der Suche wichtige Informationen anzuzeigen. Diese Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre. Dabei wird auch die Führungsperson geschult, da sie die nötigen Schlüsse aus dem Verhalten des Hundes ziehen muss: Mensch und Tier funktionieren immer nur im Team.

Hunde haben ein gutes Geruchsgedächtnis und können sich rund 15 verschiedene Gerüche merken. Bemerken sie einen davon, reagieren sie und zeigen das ihrem Hundeführer an. „Mit größerem Umfang der Aufgaben können aber auch Irrtümer eintreten. Daher sind Spezialisierungen durchaus sinnvoll“, sagt die Expertin. So sind manche Hunde Experten für einen oder wenige feste Gerüche – zum Beispiel für Sprengstoff, Drogen oder Datenträger, aber auch für bestimmte Lebewesen. Bettwanzenspürhunde etwa helfen dabei, diese Schädlinge zu bekämpfen. Artenschutzspürhunde wiederum helfen bei Bauprojekten, schneller aufzuklären, ob noch geschützte Arten im entsprechenden Bereich leben. Und werden allgemein Menschen nach einer Lawine oder einem Erdbeben gesucht, können entsprechend ausgebildete Hunde auch ohne Referenzgeruch Menschen aufspüren.

Der Geruchssinn ist bei allen gesunden Hunden gut ausgeprägt, weil sie sich damit ständig über ihre Umgebung informieren und über Geruchsmarkierungen mit Artgenossen kommunizieren. „Je nach Rasse gibt es aber Schwankungen, die noch weiter untersucht werden müssen. Bei Hunden mit langen Schnauzen vermutet man bisher einen deutlich ausgeprägteren Geruchssinn als bei Vierbeinern mit kurzer Nase. In der Wissenschaft wird aktuell aber diskutiert, ob der weit größere Einfluss nicht die unterschiedlich ausgeprägte Motivation zum Suchen sein könnte“, erklärt Tschipang. „In manchen Feldern ist es sinnvoll, nach besonders geeigneten Rassen zu schauen, etwa nach einem Stöberhund wie dem Cocker Spaniel für die Jagd oder einem folgsamen, arbeitswilligen Malinois für die Polizeiarbeit. Dann verspricht die Ausbildung möglichst großen Erfolg. Bei den freien Hundeführern, also etwa Rettungs- oder Anzeigehunden, gibt es mittlerweile aber viele verschiedene Rassen und auch Mischlinge.“

Jeder Hundehalter kann und sollte einmal Spürhundeaufgaben ausprobieren, empfiehlt die Expertin: „Es ist eine artgerechte Beschäftigung, die die Bindung zu den Haltern verstärken kann. Und im Grunde sind alle Hunde, die gesund und fit sind, ganz unabhängig von ihrer Rasse im Freizeitbereich dafür geeignet.“ Zum Beispiel bieten sich einfache Suchspiele an, bei denen man den Hund zuerst am gesuchten Objekt schnuppern lässt, es dann versteckt und ihn suchen lässt. Man kann aber auch privat die Personensuche trainieren, indem sich eine weitere Person versteckt und gefunden wird. Haben Hund und Halter Spaß daran, kann sich daraus auch mehr entwickeln. In der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) sind einige deutsche Vereine und Verbände Mitglied, die für den Einsatz in ehrenamtlichen Rettungshundestaffeln ausbilden: https://www.iro-dogs.org/ueber-uns#c57. Auch im Hundesport ist Mantrailing inzwischen verbreitet. (IHV)


Fütterung mit rohem Fleisch

Fütterung mit rohem Fleisch: Worauf Tierhalter achten sollten

Die Ernährung ist ein wichtiger Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hunden und Katzen. Wie die Ernährung beim Menschen unterliegt auch die Fütterung von Haustieren einem stetigen Wandel. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse fließen ein, aber auch neue Ernährungskonzepte werden von vielen Tierhaltenden aufgegriffen. Dazu gehört auch die Fütterung mit rohem Fleisch. Gleichzeitig erfordert diese Ernährungsform fundiertes Wissen über den Nährstoffbedarf der Tiere sowie einen sorgfältigen Umgang mit den verwendeten Lebens- und Futtermitteln.

Viele Tierhaltende entscheiden sich für die Fütterung mit Rohmaterialien: rohem Fleisch, Innereien und Knochen, weil sie diese als besonders naturnah empfinden oder sich davon eine Ernährung versprechen, die den natürlichen Fressgewohnheiten ihrer Tiere möglichst nahekommt. Damit Hunde und Katzen langfristig gesund bleiben, muss die Ration sorgfältig geplant werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen ist unerlässlich. Fehler bei der Zusammenstellung können zu einer Unter- oder Überversorgung mit wichtigen Nährstoffen führen und schwere gesundheitliche Folgen haben. Dies betrifft insbesondere die Versorgung mit den Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Jod, die Vitamine A und D sowie das Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Für Katzen ist die Aminosäure Taurin essenziell. Verfütterung von Innereien, die Schilddrüsengewebe enthalten (sog. Schlund) kann bei Hunden zu einer Erhöhung der Schilddrüsenwerte führen. Eine tierärztliche Ernährungsberatung kann helfen, den individuellen Bedarf des Tieres zu berücksichtigen und Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Neben einer ausgewogenen Nährstoffversorgung muss auch auf die Sicherheit der verwendeten Lebens- bzw. Futtermittel besondere Aufmerksamkeit gelegt werden. Rohes Fleisch kann mit Krankheitserregern belastet sein. Dazu zählen Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder bestimmte Escherichia-coli-Stämme sowie Parasiten wie der Hundebandwurm oder Toxoplasmen, die potenziell auch für den Menschen gefährlich sein können.

Auch Viren können über rohes Fleisch übertragen werden. Ein aktuelles Beispiel ist die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest). In den vergangenen Jahren wurden vor allem in Asien und den USA, aber auch in einigen europäischen Ländern, Infektionen mit diesem Virus bei Katzen nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Geflügel oder entsprechenden Rohfuttermitteln beschrieben. Hunde gelten als weniger empfänglich, Infektionen wurden hier zumeist auf Kontakt mit toten Wildvögeln zurückgeführt.

Wegen möglicher Kontaminationen mit dem Virus der Aujeszky´schen Krankheit sollten Hunde und Katzen grundsätzlich kein rohes Schweinefleisch erhalten. Zwar ist die Erkrankung in deutschen Schweinebeständen seit langem getilgt, in anderen europäischen Ländern und bei Wildschweinen kommt sie jedoch noch vor. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich, für Hunde und Katzen aber eine tödliche Bedrohung. Besonders gefährdet sind Jagdhunde, die Kontakt zu erlegten Tieren haben oder gar Fleisch oder Innereien von diesen erhalten.

Wer sich für die Rohfütterung entscheidet, sollte auf eine sorgfältige Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Fütterung achten. Fleisch sollte aus zuverlässigen Quellen stammen sowie sachgerecht gekühlt oder gefroren gelagert werden. Arbeitsflächen, Näpfe und Küchenutensilien sind nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich zu reinigen. Auch das gründliche Waschen der Hände mit warmem Wasser und Seife gehört dazu.

Wenn man das Fleisch durch Einfrieren "parasitenfrei" machen will, ist es wichtig darauf zu achten, dass es mindestens 1 Woche bei -17° bis -20°C tiefgefroren bleibt. Nur so können enthaltene Parasitenstadien sicher abgetötet werden.

Darüber hinaus haben Hunde und Katzen, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, besondere Anforderungen an die Parasitenprophylaxe. Entwurmungsmaßnahmen sollten regelmäßig überprüft und individuell an das Tier angepasst werden. Die tierärztliche Praxis kann hierzu beraten und einen geeigneten Prophylaxeplan empfehlen.

Die Fütterung mit rohem Fleisch kann eine geeignete Ernährungsform für Hunde und Katzen sein - vorausgesetzt, die Rationen sind ausgewogen zusammengestellt und grundlegende Hygieneregeln werden konsequent eingehalten. Ebenso wichtig sind eine an die Fütterung angepasste Parasitenprophylaxe sowie regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Wer sich im Vorfeld gut informiert und fachlich beraten lässt, schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere und bedarfsgerechte Ernährung seines Tieres. (ots)

Bundesverband für Tiergesundheit e.V.


Buchtipp: Dem Geruch auf der Spur

Buchtipp: Dem Geruch auf der Spur

Buchtipp: „Dem Geruch auf der Spur“ von Karina Kalks

Mit „Dem Geruch auf der Spur“ legt Karina Kalks eine bemerkenswerte Auseinandersetzung mit einem der faszinierendsten Sinnesgebiete des Hundes vor: der olfaktorischen Wahrnehmung und ihrer Bedeutung für Orientierung, Informationsgewinnung und Verhalten.

Die besondere Qualität des Buches liegt in der konsequenten Perspektivverschiebung vom menschlichen zum hündischen Wahrnehmungssystem. Während wir unsere Umwelt primär visuell und auditiv erschließen, ist der Hund in wesentlich stärkerem Maße auf olfaktorische Informationen angewiesen. Gerüche sind für ihn nicht lediglich Begleiterscheinungen seiner Umwelt, sondern hochrelevante Informationsquellen. Diese grundlegende Differenz in der Sinneswahrnehmung bildet einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis von Suchverhalten und Nasenarbeit.

Kalks gelingt es, die komplexen Prozesse der Geruchswahrnehmung und Geruchsdifferenzierung verständlich darzustellen, ohne die Thematik auf vereinfachende Erklärungsmodelle zu reduzieren. Gerade für die praktische Arbeit ist dies von erheblicher Bedeutung: Ein Hund „riecht“ nicht einfach einen bestimmten Geruch, sondern verarbeitet olfaktorische Informationen unter wechselnden Umweltbedingungen und setzt diese in ein situationsabhängiges Such- und Anzeigeverhalten um.

Damit rückt zwangsläufig auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Geruch tatsächlich in der Umwelt vorliegt. Geruchsverteilung, Konzentrationsgradienten, Verwirbelungen und die Dynamik einer Geruchsfahne machen deutlich, dass eine Suchaufgabe keineswegs statisch betrachtet werden kann. Für den Hundeführer bedeutet dies, das Verhalten des Hundes nicht ausschließlich anhand sichtbarer Bewegungsmuster zu beurteilen, sondern die möglichen olfaktorischen Bedingungen der jeweiligen Suchsituation mitzudenken.

Gerade hierin liegt ein besonderer Mehrwert des Buches: Es fördert ein differenziertes Verständnis des arbeitenden Hundes. Richtungsänderungen, Suchschleifen, scheinbare Irrwege oder Veränderungen in der Arbeitsgeschwindigkeit lassen sich aus dieser Perspektive nicht vorschnell als Fehler interpretieren. Vielmehr können sie Ausdruck einer eigenständigen Suchstrategie sein, mit der der Hund Informationen aus seiner olfaktorischen Umgebung sammelt, bewertet und seine weitere Suche daran ausrichtet.

Für die Ausbildung von Suchhunden ist diese Betrachtungsweise ausgesprochen wertvoll. Gute Nasenarbeit besteht eben nicht darin, den Hund möglichst schnell zu einem Zielgeruch zu führen. Entscheidend ist vielmehr, ihm die Möglichkeit zu geben, Geruchsinformationen selbstständig zu erfassen und zu verarbeiten. Daraus ergeben sich unmittelbare Konsequenzen für Trainingsaufbau, Suchflächen, Versteckbedingungen, Schwierigkeitssteigerung und insbesondere für das Verhalten des Hundeführers.

Das Buch regt damit auch zu einer kritischen Betrachtung verbreiteter Trainingsannahmen an. Wer die olfaktorischen Fähigkeiten des Hundes ernst nimmt, muss sich zwangsläufig mit der Frage auseinandersetzen, wie viel der Mensch tatsächlich steuern sollte – und wie viel er seinem Hund überlassen muss. Gerade diese Balance zwischen menschlicher Anleitung und hündischer Eigenständigkeit gehört zu den anspruchsvollsten Aspekten professioneller Nasenarbeit.

Positiv hervorzuheben ist die Verknüpfung von theoretischem Verständnis und praktischer Relevanz. Die Beschäftigung mit dem Geruchssinn bleibt nicht auf anatomische oder physiologische Grundlagen beschränkt, sondern führt zu einem erweiterten Verständnis des gesamten Suchprozesses. Das macht das Buch auch für erfahrene Hundeführer interessant, die ihre eigene Beobachtungsgabe und ihr Training kritisch reflektieren möchten.

„Dem Geruch auf der Spur“ ist deshalb weit mehr als eine Einführung in eine attraktive Beschäftigungsform. Das Buch vermittelt eine Haltung: Wer mit der Nase des Hundes arbeitet, sollte lernen, die Welt stärker aus der Perspektive des Hundes zu betrachten. Genau darin liegt seine besondere Stärke.

Karina Kalks schafft es, ein anspruchsvolles Thema zugänglich zu machen und gleichzeitig Denkanstöße zu liefern, die über das konkrete Suchtraining hinausreichen. Die Lektüre kann dazu beitragen, das Verhalten des Hundes differenzierter zu beobachten, Trainingsentscheidungen fundierter zu treffen und der außergewöhnlichen olfaktorischen Kompetenz des Hundes mit größerem Verständnis zu begegnen.

Fazit: „Dem Geruch auf der Spur“ ist eine fachlich interessante und ausgesprochen empfehlenswerte Lektüre für Hundeführer, Trainer und alle, die sich ernsthaft mit der faszinierenden Welt der hündischen Geruchswahrnehmung beschäftigen. Ein Buch, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern dazu anregt, den arbeitenden Hund genauer zu beobachten – und ihm bei seiner wichtigsten Aufgabe vielleicht etwas häufiger einfach zuzuhören: mit der Nase.


Webinar: Fit durchs Hundeleben

Fit durchs Hundeleben Webinar 🐕🩺

Gemeinsam mit unserem Partner Vetoquinol Tiergesundheit laden wir IRO Mitglieder und Rettungshundeteams zu einem kostenlosen Webinar über Bewegung, Gelenkgesundheit und Mobilität in den verschiedenen Lebensphasen von Hunden ein.

📆 28. Oktober 2026, 19:00–21:00 🗣️ Vortragssprache: Deutsch

Die Gelenke von Rettungshunden werden in Training und Einsatz besonders beansprucht. Im Webinar stehen folgende Themen im Mittelpunkt: 🦴 Das Gelenk verstehen: Warum Bewegung schützt – und wann sie schaden kann​. 🐾 Welpen & Junghunde: Welche und wie viel Bewegung wird im Wachstum empfohlen? 🐕 Erwachsener Arbeitshund: Sicher für den Einsatz trainieren inkl. Warm-up, Belastung, Cool-down​. 🐶 Seniorhund: Erste Anzeichen für Arthrose erkennen, Therapiebausteine & Alltagsanpassungen​. 🍗 "Futter“ für die Gelenke: Wie das richtige Ergänzungsfutter unterstützen kann.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich. 👉 https://bit.ly/webinar-fit-durchs-hundeleben

Mit Vetoquinol verbindet uns das gemeinsame Anliegen, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hunden langfristig zu fördern. Seit über 90 Jahren widmet sich das Unternehmen der Tiermedizin und bringt seine langjährige Erfahrung und Expertise rund um Tiergesundheit in dieses Webinar ein. 💙🐾


Hunde und ihre feine Nase

Hunde und ihr feines Näschen: Phänomen mit Nutzen und Spaß

Hunde haben sensible Sinne. Wenn wir noch lange nichts hören, drehen sie schon das Ohr und heben den Kopf. Noch überlegener sind sie uns, was das Riechen betrifft. So werden Hunde immer öfter und in immer mehr Bereichen als Unterstützer eingesetzt.

Eine Hundenase ist dem menschlichen Geruchssinn stark überlegen: Während wir etwa fünf Millionen Riechzellen haben, können es bei Hunden deutlich über 200 Millionen sein, je nach Rasse und Nasenform unterschiedlich ausgeprägt. Auch der für das Riechen zuständige Hirnbereich ist bei Hunden deutlich spezialisierter. Sie können nicht nur sehr viel feinere Gerüche und Nuancen wahrnehmen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der ein Geruch kommt. Die Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Gerüche aufgenommen und analysiert werden können, sind ebenfalls vielfach höher als beim Menschen.

Im Einsatz werde „grundsätzlich unterschieden, ob Hunde eine Spur ausarbeiten, also etwa einer Fährte folgen, oder eine Witterung aufnehmen sollen, die sie bei Erkennen anzeigen“, beschreibt Jennifer Tschipang. Die Hundeführerin hat die Ausbildungsstätte Tiergestützte Interaktion & Coaching (TIC) gegründet und bildet dort mit dem Angebot „Dein Spürhund“ Hunde aus. Für die Fährtensuche oder das Mantrailing, das Verfolgen der Duftspur einer bestimmten Person, brauchen die Tiere einen Referenzgeruch, dem sie folgen sollen. Dafür reichen den Hunden die wenigen Geruchspartikel in der Luft oder an Gegenständen, nachdem die gesuchte Person vorbeigegangen ist. Die Hunde werden darauf trainiert, sich auf einen individuellen Geruch zu konzentrieren und alle anderen Eindrücke auszublenden. Zu Beginn sind das kleine Suchaufgaben auf begrenztem Raum – etwa nach Teebeuteln. Dann kommen größere Suchgebiete und weitere Gerüche als Ablenkung dazu. Findet der Hund das Objekt oder die Person, bekommt er eine Belohnung. Am Ende geht es darum, das Ziel auch unter widrigen Bedingungen zu finden und dem Hundeführer bei der Suche wichtige Informationen anzuzeigen. Diese Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre. Dabei wird auch die Führungsperson geschult, da sie die nötigen Schlüsse aus dem Verhalten des Hundes ziehen muss: Mensch und Tier funktionieren immer nur im Team.

Hunde haben ein gutes Geruchsgedächtnis und können sich rund 15 verschiedene Gerüche merken. Bemerken sie einen davon, reagieren sie und zeigen das ihrem Hundeführer an. „Mit größerem Umfang der Aufgaben können aber auch Irrtümer eintreten. Daher sind Spezialisierungen durchaus sinnvoll“, sagt die Expertin. So sind manche Hunde Experten für einen oder wenige feste Gerüche – zum Beispiel für Sprengstoff, Drogen oder Datenträger, aber auch für bestimmte Lebewesen. Bettwanzenspürhunde etwa helfen dabei, diese Schädlinge zu bekämpfen. Artenschutzspürhunde wiederum helfen bei Bauprojekten, schneller aufzuklären, ob noch geschützte Arten im entsprechenden Bereich leben. Und werden allgemein Menschen nach einer Lawine oder einem Erdbeben gesucht, können entsprechend ausgebildete Hunde auch ohne Referenzgeruch Menschen aufspüren.

Der Geruchssinn ist bei allen gesunden Hunden gut ausgeprägt, weil sie sich damit ständig über ihre Umgebung informieren und über Geruchsmarkierungen mit Artgenossen kommunizieren. „Je nach Rasse gibt es aber Schwankungen, die noch weiter untersucht werden müssen. Bei Hunden mit langen Schnauzen vermutet man bisher einen deutlich ausgeprägteren Geruchssinn als bei Vierbeinern mit kurzer Nase. In der Wissenschaft wird aktuell aber diskutiert, ob der weit größere Einfluss nicht die unterschiedlich ausgeprägte Motivation zum Suchen sein könnte“, erklärt Tschipang. „In manchen Feldern ist es sinnvoll, nach besonders geeigneten Rassen zu schauen, etwa nach einem Stöberhund wie dem Cocker Spaniel für die Jagd oder einem folgsamen, arbeitswilligen Malinois für die Polizeiarbeit. Dann verspricht die Ausbildung möglichst großen Erfolg. Bei den freien Hundeführern, also etwa Rettungs- oder Anzeigehunden, gibt es mittlerweile aber viele verschiedene Rassen und auch Mischlinge.“

Jeder Hundehalter kann und sollte einmal Spürhundeaufgaben ausprobieren, empfiehlt die Expertin: „Es ist eine artgerechte Beschäftigung, die die Bindung zu den Haltern verstärken kann. Und im Grunde sind alle Hunde, die gesund und fit sind, ganz unabhängig von ihrer Rasse im Freizeitbereich dafür geeignet.“ Zum Beispiel bieten sich einfache Suchspiele an, bei denen man den Hund zuerst am gesuchten Objekt schnuppern lässt, es dann versteckt und ihn suchen lässt. Man kann aber auch privat die Personensuche trainieren, indem sich eine weitere Person versteckt und gefunden wird. Haben Hund und Halter Spaß daran, kann sich daraus auch mehr entwickeln. In der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) sind einige deutsche Vereine und Verbände Mitglied, die für den Einsatz in ehrenamtlichen Rettungshundestaffeln ausbilden: https://www.iro-dogs.org/ueber-uns#c57. IVH


Online-Seminare: Mehr als nur Optik & Fütterung von Hündin und Welpen

„Mehr als nur Optik - der Einfluss von äußerlichen Merkmalen auf das Verhalten von Hunden“ am 03.09.2026 mit Frau Prof. Dr. med. vet. Czycholl

Hunde kommunizieren über ihre Körpersprache – doch welchen Einfluss haben dabei äußere Merkmale wie Rutenlänge, Fellfarbe oder Ohrform? Während die enorme Vielfalt unserer Hunderassen geschätzt wird, ist über die Auswirkungen bestimmter körperlicher Merkmale auf das Sozialverhalten und die Kommunikation von Hunden bislang erstaunlich wenig bekannt. Im Mittelpunkt dieses Vortrags stehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Fragestellungen, mit besonderem Fokus auf die Bedeutung der Rutenlänge. Darüber hinaus werden weitere äußerliche Merkmale wie Fellfarbe und Ohrtyp betrachtet und deren möglicher Einfluss auf Hund-Hund- sowie Hund-Mensch-Interaktionen diskutiert. Der Vortrag bietet spannende Einblicke in die Forschung zur Hundekommunikation und zeigt, welche Bedeutung körperliche Merkmale für das Verhalten und das Wohlbefinden unserer Hunde haben können.


„Fütterung der Zuchthündin sowie von Welpen und Junghunden“ am 22.09.2026 mit Frau Prof. Dr. Paßlack

Eine optimale Fütterung ist für die Gesundheit von Zuchthündinnen von großer Bedeutung. Ernährungsfehler können nicht nur die trächtige und säugende Hündin stark beeinträchtigen, sondern auch negative Folgen für die Welpen haben. Ebenso nimmt die Fütterung bei abgesetzten Welpen und Junghunden eine zentrale Rolle ein und beeinflusst u.a. die Knochenentwicklung bzw. das Wachstum. In dem Webinar sollen die Grundlagen der Fütterung von Zuchthündinnen, Welpen und Junghunden praxisnah besprochen werden. So wird erläutert, welche besonderen Ernährungsansprüche die Hunde in diesen Lebensphasen haben, und wie man sie mit unterschiedlichen Fütterungsvarianten (kommerzielles Alleinfutter, selbst gekochte Rationen, BARF) erfüllen kann. Das Webinar wird interaktiv gestaltet, damit die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen und Erfahrungen zu teilen.


Es handelt sich jeweils um Online-Seminare. Die Anmeldung können Sie über https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/akademie-hundehaltung-hundezucht/


Impfschutz für Hunde

Der richtige Impfschutz für Hunde

Die Gesundheit unserer Vierbeiner liegt uns am Herzen. Impfungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie bieten vor schweren oder gar tödlichen Krankheiten Schutz. Dieser sollte gegen einige Erreger dauerhaft aufrechterhalten werden, gegen andere ist das nur je nach Wohnregion und Reiseaktivitäten relevant. Tierärzte halten sich dabei genau an die Empfehlungen. Doch auch Halter sollten entsprechend Bescheid wissen – zumindest über die Kernimpfungen, die für jeden Hund in Deutschland empfohlen werden, betont Dr. Max Bastian. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie leitet die Geschäftsstelle der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut.

Die StIKo Vet veröffentlicht und aktualisiert in regelmäßigen Abständen Leitlinien mit Empfehlungen, welche Impfungen aktuell für die verschiedenen Tierarten besonders wichtig sind (https://stiko-vet.fli.de/de/empfehlungen/). Dabei unterscheidet sie in Core-Impfungen für alle Tiere einer Art sowie Non-Core-Impfungen für den Einzelfall.

Core-Impfungen: Diesen Schutz sollte jeder Hund haben „Bei den sogenannten Core-Impfungen handelt es sich um eine Impfkomponente, gegen die jedes Tier in Deutschland zu jeder Zeit geschützt sein sollte“, erklärt Dr. Bastian. „Grundlegend dafür sind drei Kriterien: Die Erreger müssen bei uns vorkommen, die Erkrankungen müssen erwartbar schwere Folgen haben und es sollten Impfstoffe vorhanden sein, die zuverlässig davor schützen.“

Staupe und „Hundeseuche“ (Parvovirose) sind Viruserkrankungen, die sich häufig durch hohes Fieber, Abgeschlagenheit und mitunter Durchfall und Erbrechen bemerkbar machen. Bei schweren Verläufen kann es zu bleibenden Schäden oder zum Tod kommen. Schon Welpen werden daher grundimmunisiert. Dieser Schutz hält lange an und verhindert bereits zuverlässig eine Ansteckung. Derzeit ist empfohlen, den Schutz alle drei Jahre aufzufrischen.

Leptospirose ist eine bakterielle Infektion. Sie wird vor allem über den Urin von Nagetieren übertragen, der Pfützen oder Gewässer verschmutzt. Neben Fieber und Erbrechen sind vor allem Nierenversagen und Atemnot zwei ernsthafte und häufige Folgen. „Unter den Leptospiren gibt es viele Varianten, die teils unterschiedlich wirken können. Die Impfstoffe decken zwar ein großes Spektrum ab, aber es lassen sich nicht alle Varianten zuverlässig ausschließen. Außerdem hält die Immunabwehr nicht ganz so lange an. Deshalb empfiehlt sich hier eine jährliche Auffrischung“, erklärt der Experte.

Zu den Non-Core-Impfungen zählt etwa der Schutz gegen Tollwut oder gegen Leishmaniose, die umgangssprachlich häufig zu den Mittelmeerkrankheiten gezählt wird. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut, also bei am Boden lebenden Haus- und Wildtieren. Somit gehört Tollwut hier nicht mehr zu den Kernimpfungen. Wer allerdings mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, muss sein Tier dennoch dagegen impfen und dies vom Tierarzt in den EU-Heimtierausweis eintragen lassen, um den Impfstatus nachweisen zu können.

Die Leishmaniose wird über Sandmücken übertragen, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommen. Dazu der Fachtierarzt: „Mein Hund verbringt sein ganzes Leben in Vorpommern, der braucht keine Impfung gegen Erreger, die es dort nicht gibt. Für Menschen aus Süddeutschland, die regelmäßig mit ihren Tieren nach Italien oder Südfrankreich fahren, kann die Impfung dagegen doch sinnvoll sein.“ Leishmaniose sei allerdings ein Erreger, der – bedingt durch den Klimawandel – vielleicht irgendwann auch in Deutschland heimisch werden könnte. In dem Fall würde die StIKo Vet den Impfschutz gegebenenfalls zukünftig als Core-Impfung einstufen.

Ob generell oder nur unter besonderen Umständen: Eine Pflicht zur Impfung gibt es in Deutschland nicht, erklärt Dr. Bastian. „Wir können hier also immer nur Empfehlungen aussprechen. Die einzige Ausnahme ist die staatlich angeordnete Impfung gegen Tollwut bei Auslandsreisen. Ansonsten können aber auch Hundeschulen, -vereine oder Tierheime bestimmte Impfungen für ihre Einrichtung als verpflichtend voraussetzen. Das liegt in ihrem Hausrecht.“

Im Idealfall wird der Tierarzt regelmäßig von selbst die Impfungen prüfen und mit dem Halter darüber sprechen, in welchen zeitlichen Abständen welche Impfung aufgefrischt werden sollte – etwa beim jährlichen Gesundheitscheck. „Dabei untersucht der Tierarzt bei Bedarf alles von den Zähnen über das Blut bis eben zu den Impfungen. Hier kann man auch klären, ob der Impfschutz noch aktiv ist oder, wenn eine Reise ansteht, ob es dazu etwas zu beachten gibt“, sagt Dr. Bastian. „Und falls man zum Beispiel Nebenwirkungen befürchtet, bietet sich ein Antikörpertest an. Damit lässt sich vorab prüfen, ob überhaupt eine Auffrischung notwendig ist oder der Impfschutz noch ausreicht.“ IVH


Unsichere Hunde richtig unterstützen

Unsichere Hunde richtig unterstützen

Unsichere Hunde richtig unterstützen

Nicht jeder Hund begegnet neuen Situationen gelassen. Manche reagieren vorsichtig auf fremde Menschen, andere auf ungewohnte Geräusche oder auf Veränderungen im Alltag. Wer die Signale frühzeitig erkennt und richtig reagiert, kann deeskalieren – und seinem Hund helfen, Vertrauen aufzubauen.

Unsicherheit kann sich bei Hunden sehr unterschiedlich äußern. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren hektisch oder sogar laut und impulsiv. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch aggressives Verhalten ist häufig durch Unsicherheit oder Angst motiviert. „Hunde kommunizieren Unsicherheit meist über ihre Körpersprache“, erklärt Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“. „Wer die Signale kennt, kann Stress schon erkennen, bevor der Hund laut wird oder sich zurückzieht. Typische Hinweise sind eine eingezogene Rute, angelegte Ohren, starkes Hecheln, Gähnen oder vermehrtes Lecken.“ Oft wird Unsicherheit mit Ungehorsam verwechselt – allerdings reagiert der Hund nur nicht wie gewohnt, weil er gerade mit einer belastenden Situation umgehen muss.

Einige Hunde reagieren besonders sensibel auf fremde Menschen oder andere Hunde. „Häufig hängt das entweder mit fehlenden oder aber mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen“, sagt Expertin Ketter. Unsichere Hunde versuchen zunächst oft, Distanz aufzubauen – etwa durch Ausweichen oder Verstecken. Ihr Verhalten und ihre Körpersprache weisen zunehmend weg vom Gegenüber, von der Situation oder vom Objekt, das die Furcht auslöst. Erst wenn das Unwohlsein übersehen wird, fällt die Reaktion oft deutlicher aus, beispielsweise durch Bellen oder Knurren. Macht der Vierbeiner unangenehme Erfahrungen mehrfach, kann aus Unsicherheit sogar Angst werden. Statt den Hund zu ignorieren oder in beängstigende Situationen zu zwingen, sollten Halter ihren Vierbeinern daher die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen.

Gewitter, Silvester- oder Baustellenlärm: Laute Geräusche zählen zu den häufigsten Stressfaktoren bei Hunden. Während manche sich schnell wieder beruhigen, benötigen andere mehr Unterstützung. „Wichtig ist dabei vor allem, selbst gelassen zu bleiben“, rät Dr. Ketter. „Heimtiere spiegeln das Verhalten ihrer Bezugspersonen: Ist der Mensch entspannt, wird sich auch der Hund schneller beruhigen.“ Um seinem Hund aktiv Sicherheit vermitteln zu können, muss man die Situation erst einmal als Stresssituation erkennen. Häufig kündigt sich Unsicherheit bereits in der Körpersprache an – kleine Details in Haltung, Blick, Bewegungen und Verhalten ergeben ein Gesamtbild.

Um Probleme mit Unsicherheit langfristig zu lösen, braucht es vor allem viel Geduld. Selten ändert sich das Verhalten von heute auf morgen. „Gerade sensible Hunde brauchen Zeit, um Vertrauen aufzubauen und neue Erfahrungen positiv zu verknüpfen“, sagt die Expertin. „Wichtig ist, den Hund nicht zu überfordern und auch die kleinen Fortschritte wahrzunehmen.“ Schenkt man seinem Tier Sicherheit durch Vertrauen, Geduld und Verlässlichkeit, stehen die Chancen gut, die Unsicherheit in den Griff zu bekommen – und zudem entsteht eine starke Bindung zwischen dem Menschen und seinem Vierbeiner. IVH


Demenz beim Hund

Demenz beim Hund: Früher erkennen, gezielt begleiten

Demenz beim Hund ist längst keine Seltenheit mehr. Mit zunehmender Lebenserwartung unserer Haustiere gewinnt sie an Bedeutung. Nach aktuellen Studien ist etwa jeder dritte Hund mit 12 Jahren und sogar jeder zweite Hund mit 15 Jahren betroffen. Eine kürzlich veröffentlichte neue Leitlinie liefert erstmals eine fundierte Grundlage für Kleintierärzte und Tierhaltende, um die Erkrankung besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und gezielt zu begleiten.

Verhaltensänderungen wie Desorientierung, Unruhe in der Nacht, nachlassende Stubenreinheit oder ein verändertes Sozialverhalten werden häufig als normale Alterserscheinungen abgetan. Tatsächlich können sie jedoch Ausdruck einer ernstzunehmenden Erkrankung sein: Die Demenz des Hundes, auch als kognitive Dysfunktion bezeichnet, ist eine fortschreitende Veränderung des Gehirns - vergleichbar mit der Alzheimer-Erkrankung beim Menschen. Die neue Leitlinie schafft hier Klarheit und hilft, krankhafte Veränderungen von normalem Altern zu unterscheiden.

Im Zentrum der Empfehlungen steht eine systematische Beurteilung typischer Verhaltensänderungen sowie eine Einteilung in drei Schweregrade. Ziel ist es, betroffene Hunde möglichst früh zu identifizieren und den Krankheitsverlauf gezielt zu begleiten.

Neben der klinischen Untersuchung und Analyse von Verhaltensänderungen können - je nach Fall - weiterführende Untersuchungen wie bildgebende Verfahren (z. B. MRT) oder die Analyse von Hirnwasser (Liquor) eingesetzt werden, um andere Ursachen auszuschließen und die Diagnose zu untermauern.

Wichtig ist dabei auch die klare Abgrenzung und Prüfung anderer Ursachen: Verhaltensänderungen können auch durch nachlassende Seh- oder Hörleistung, Zahnprobleme, Schmerzen (z. B. durch Arthrose) sowie weitere neurologische oder internistische Erkrankungen bedingt sein und müssen entsprechend abgeklärt und ggf. behandelt werden. Auch können mehrere Erkrankungen gleichzeitig auftreten.

Auch wenn die Demenzerkrankung nicht heilbar ist, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um betroffene Hunde zu unterstützen. Dazu zählen medikamentöse Ansätze, aber auch die Ernährung und Supplemente wie Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, mittelkettige Fettsäuren oder geeignete Präparate zur Stressreduktion. Ebenso entscheidend sind kognitive Beschäftigung, feste Routinen und eine möglichst stabile, stressarme Umgebung.

Für Tierhalterinnen und Tierhalter bedeutet die Demenz ihres Tieres oft eine Umstellung im Alltag. Feste Tagesabläufe und viel Geduld helfen, den Hund zu unterstützen. Trotz der Veränderungen bleibt die emotionale Bindung bestehen - und spielt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden des Tieres.

Auch wenn sich die Demenzerkrankung letztlich nicht aufhalten lässt, können die frühzeitige Diagnose und ein angepasstes Management den Verlauf positiv beeinflussen und Symptome deutlich abmildern. Die kontinuierliche Forschung und die neuen Leitlinien unterstützen Tierärzte und Tierhaltende dabei.

Bundesverband für Tiergesundheit e.V.


Zeckenschutz für den Hund

Zeckenschutz für den Hund

Achtung, Blutsauger! Zeckenschutz für Hund und Katze

Sie leben in Wald und Feld, mögen es meist warm und feucht – und breiten sich in Deutschland immer weiter aus: Zecken sind Tierhaltern ein Dorn im Auge und in den Sommermonaten besonders aktiv. Gleich mehrere Arten der Spinnentiere ernähren sich gern von Hunde- und Katzenblut und können dabei Krankheiten übertragen. Halter sollten deshalb vorsorgen und wissen, wie man im Fall des Falles Zecken sicher entfernt.

In Deutschland sind bei Hunden und Katzen vor allem der Gemeine Holzbock, die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke aktiv. Während die ersten beiden in Wäldern, Wiesen und Gärten oder feuchten Gebieten wie Auenwäldern und Flussniederungen zu finden sind, lebt die Braune Hundezecke oft in Gebäuden. Sie stammt ursprünglich aus wärmeren Klimazonen und kam erst in den letzten Jahren nach Deutschland – etwa mit Heimtieren aus südlichen Ländern. Wie ihr Name schon sagt, befällt sie eher Hunde als Katzen.

„Wir beobachten eine zunehmende Verbreitung und Mobilität von Zecken“, sagt Tierärztin Susanne Arndt vom Kleintierzentrum Arndt in Karlsruhe-Durlach. „Die Winter sind wesentlich wärmer und die Temperaturen insgesamt milder. So können Zecken länger aktiv sein und in neue Gebiete vordringen. Damit steigt das Risiko, dass Hunde und Katzen mit ihnen in Kontakt kommen.“

Das ist deshalb gefährlich, weil Zecken während ihrer Blutmahlzeit verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Am häufigsten infizieren sich Vierbeiner so mit Borreliose und Anaplasmose. Beides kann Fieber, Gelenkschmerzen, Nierenprobleme und Schwäche verursachen. Um Borreliose bei Hunden vorzubeugen, kann man die Tiere impfen lassen. Ob dies sinnvoll ist, hängt vom Lebensraum und der Aktivität des Tieres ab sowie vom individuellen Risiko. Deshalb sollten Tierhalter das im Einzelfall gemeinsam mit ihrem Tierarzt entscheiden. Auch Babesiose und Ehrlichiose können zu hohem Fieber führen sowie zu Symptomen wie Blutarmut oder Gewichtsverlust. Die meisten dieser Krankheiten treten öfter bei Hunden als bei Katzen auf.

Um ihre Tiere vor Zecken zu schützen, können Halter einiges tun. „Es gibt verschiedene Produkte wie Spot-Ons, Halsbänder und Sprays, die Zecken abwehren oder abtöten bevor diese in der Lage sind, Krankheitserreger mit ihrem Speichel zu übertragen“, so Arndt. „Aktuell ist ein neues Injektionspräparat auf den Markt gekommen, das über zwölf Monate vor Zecken schützen soll.“ Wichtig: Bevor sie Zeckenschutzmittel anwenden, sollten sich Tierhalter vergewissern, dass sich die Präparate für die jeweilige Tierart eignen. Einige Hundeprodukte etwa sind für Katzen giftig, denn sie können den oft enthaltenen Wirkstoff Permethrin nicht verarbeiten.

Halter haben grundsätzlich die Wahl sich zwischen natürlichen und chemischen Wirkstoffen zu entscheiden, um Zecken abzuwehren:

Ätherische Öle wie Lavendelöl schrecken Zecken ab. Aber Achtung: Manche ätherische Öle können auch dem Hund schaden. Daher unbedingt vorher informieren, welche geeignet sind! Kieselgur oder Diatomeenerde wird aus Algen gewonnen. Dieses Pulver beschädigt das Außenskelett der Zecken, wodurch sie austrocknen. Solche natürlichen Mittel bieten im Vergleich zu chemischen Alternativen allerdings einen geringeren Schutz und müssen häufiger aufgetragen werden. Chemische Produkte sind dagegen langanhaltend, können aber unter Umständen zu Nebenwirkungen wie Hautreizungen, Erbrechen oder Durchfall führen, seltener auch zu allergischen Reaktionen. Daher sind viele Produkte verschreibungspflichtig und nur über den Tierarzt oder in der Apotheke zu bekommen.

Typische chemische Präparate sind: Zeckenhalsbänder, die dauerhaft Wirkstoffe gegen Zecken abgeben, sowie Spot-on-Präparate, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Dabei gibt es genaue Anweisungen zu beachten. Zum Beispiel sollte der Hund die Stelle nicht ablecken können. Empfohlen wird daher in der Regel der Nackenbereich. Weiterhin gibt es Tabletten, die dafür sorgen, dass Zecken abgetötet werden, sobald sie sich festsaugen wollen.

Regelmäßige Kontrollen tragen ebenfalls zum Zeckenschutz bei. So sollten Hundehalter ihre Vierbeiner nach Spaziergängen und Ausflügen gründlich nach den Parasiten absuchen. Gleiches gilt für Halter von Freigänger-Katzen, wenn diese nach einem Streifzug durchs Revier wieder nach Hause kommen. Hat sich eine Zecke festgesaugt, ist schnelles Handeln gefragt. Die Zecke muss entfernt werden, damit keine Erreger übertragen werden. „Mit einer Zeckenzange oder einem speziellen Haken wird die Zecke so nah wie möglich an der Haut gegriffen“, erklärt Arndt. „Dann dreht oder zieht man langsam an der Zecke, bis sie entfernt ist. Wichtig ist, sie dabei nicht zu quetschen, da sonst erhöhte Mengen von Krankheitserregern freigesetzt werden können.“ Die Bissstelle können Tierhalter im Anschluss mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel behandeln und die Zecke sicher entsorgen, etwa in einem verschlossenen Gefäß. Man kann sie auch in Alkohol setzen oder mit Klebeband umwickeln. Einfach wegwerfen sollte man sie jedoch nicht, da sie noch leben könnte. Zeigen sich in den folgenden Tagen und Wochen Krankheitssymptome beim Hund oder Rötungen beziehungsweise Schwellungen an der Bissstelle, sollten Halter zur Sicherheit zum Tierarzt gehen.

Wird alles das beachtet, können Mensch und Tier den Sommer trotz der kleinen Blutsauger unbeschwert genießen. IVH