Hunde und ihre feine Nase

Hunde und ihr feines Näschen: Phänomen mit Nutzen und Spaß

Hunde haben sensible Sinne. Wenn wir noch lange nichts hören, drehen sie schon das Ohr und heben den Kopf. Noch überlegener sind sie uns, was das Riechen betrifft. So werden Hunde immer öfter und in immer mehr Bereichen als Unterstützer eingesetzt.

Eine Hundenase ist dem menschlichen Geruchssinn stark überlegen: Während wir etwa fünf Millionen Riechzellen haben, können es bei Hunden deutlich über 200 Millionen sein, je nach Rasse und Nasenform unterschiedlich ausgeprägt. Auch der für das Riechen zuständige Hirnbereich ist bei Hunden deutlich spezialisierter. Sie können nicht nur sehr viel feinere Gerüche und Nuancen wahrnehmen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der ein Geruch kommt. Die Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Gerüche aufgenommen und analysiert werden können, sind ebenfalls vielfach höher als beim Menschen.

Im Einsatz werde „grundsätzlich unterschieden, ob Hunde eine Spur ausarbeiten, also etwa einer Fährte folgen, oder eine Witterung aufnehmen sollen, die sie bei Erkennen anzeigen“, beschreibt Jennifer Tschipang. Die Hundeführerin hat die Ausbildungsstätte Tiergestützte Interaktion & Coaching (TIC) gegründet und bildet dort mit dem Angebot „Dein Spürhund“ Hunde aus. Für die Fährtensuche oder das Mantrailing, das Verfolgen der Duftspur einer bestimmten Person, brauchen die Tiere einen Referenzgeruch, dem sie folgen sollen. Dafür reichen den Hunden die wenigen Geruchspartikel in der Luft oder an Gegenständen, nachdem die gesuchte Person vorbeigegangen ist. Die Hunde werden darauf trainiert, sich auf einen individuellen Geruch zu konzentrieren und alle anderen Eindrücke auszublenden. Zu Beginn sind das kleine Suchaufgaben auf begrenztem Raum – etwa nach Teebeuteln. Dann kommen größere Suchgebiete und weitere Gerüche als Ablenkung dazu. Findet der Hund das Objekt oder die Person, bekommt er eine Belohnung. Am Ende geht es darum, das Ziel auch unter widrigen Bedingungen zu finden und dem Hundeführer bei der Suche wichtige Informationen anzuzeigen. Diese Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre. Dabei wird auch die Führungsperson geschult, da sie die nötigen Schlüsse aus dem Verhalten des Hundes ziehen muss: Mensch und Tier funktionieren immer nur im Team.

Hunde haben ein gutes Geruchsgedächtnis und können sich rund 15 verschiedene Gerüche merken. Bemerken sie einen davon, reagieren sie und zeigen das ihrem Hundeführer an. „Mit größerem Umfang der Aufgaben können aber auch Irrtümer eintreten. Daher sind Spezialisierungen durchaus sinnvoll“, sagt die Expertin. So sind manche Hunde Experten für einen oder wenige feste Gerüche – zum Beispiel für Sprengstoff, Drogen oder Datenträger, aber auch für bestimmte Lebewesen. Bettwanzenspürhunde etwa helfen dabei, diese Schädlinge zu bekämpfen. Artenschutzspürhunde wiederum helfen bei Bauprojekten, schneller aufzuklären, ob noch geschützte Arten im entsprechenden Bereich leben. Und werden allgemein Menschen nach einer Lawine oder einem Erdbeben gesucht, können entsprechend ausgebildete Hunde auch ohne Referenzgeruch Menschen aufspüren.

Der Geruchssinn ist bei allen gesunden Hunden gut ausgeprägt, weil sie sich damit ständig über ihre Umgebung informieren und über Geruchsmarkierungen mit Artgenossen kommunizieren. „Je nach Rasse gibt es aber Schwankungen, die noch weiter untersucht werden müssen. Bei Hunden mit langen Schnauzen vermutet man bisher einen deutlich ausgeprägteren Geruchssinn als bei Vierbeinern mit kurzer Nase. In der Wissenschaft wird aktuell aber diskutiert, ob der weit größere Einfluss nicht die unterschiedlich ausgeprägte Motivation zum Suchen sein könnte“, erklärt Tschipang. „In manchen Feldern ist es sinnvoll, nach besonders geeigneten Rassen zu schauen, etwa nach einem Stöberhund wie dem Cocker Spaniel für die Jagd oder einem folgsamen, arbeitswilligen Malinois für die Polizeiarbeit. Dann verspricht die Ausbildung möglichst großen Erfolg. Bei den freien Hundeführern, also etwa Rettungs- oder Anzeigehunden, gibt es mittlerweile aber viele verschiedene Rassen und auch Mischlinge.“

Jeder Hundehalter kann und sollte einmal Spürhundeaufgaben ausprobieren, empfiehlt die Expertin: „Es ist eine artgerechte Beschäftigung, die die Bindung zu den Haltern verstärken kann. Und im Grunde sind alle Hunde, die gesund und fit sind, ganz unabhängig von ihrer Rasse im Freizeitbereich dafür geeignet.“ Zum Beispiel bieten sich einfache Suchspiele an, bei denen man den Hund zuerst am gesuchten Objekt schnuppern lässt, es dann versteckt und ihn suchen lässt. Man kann aber auch privat die Personensuche trainieren, indem sich eine weitere Person versteckt und gefunden wird. Haben Hund und Halter Spaß daran, kann sich daraus auch mehr entwickeln. In der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) sind einige deutsche Vereine und Verbände Mitglied, die für den Einsatz in ehrenamtlichen Rettungshundestaffeln ausbilden: https://www.iro-dogs.org/ueber-uns#c57. IVH


Online-Seminare: Mehr als nur Optik & Fütterung von Hündin und Welpen

„Mehr als nur Optik - der Einfluss von äußerlichen Merkmalen auf das Verhalten von Hunden“ am 03.09.2026 mit Frau Prof. Dr. med. vet. Czycholl

Hunde kommunizieren über ihre Körpersprache – doch welchen Einfluss haben dabei äußere Merkmale wie Rutenlänge, Fellfarbe oder Ohrform? Während die enorme Vielfalt unserer Hunderassen geschätzt wird, ist über die Auswirkungen bestimmter körperlicher Merkmale auf das Sozialverhalten und die Kommunikation von Hunden bislang erstaunlich wenig bekannt. Im Mittelpunkt dieses Vortrags stehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Fragestellungen, mit besonderem Fokus auf die Bedeutung der Rutenlänge. Darüber hinaus werden weitere äußerliche Merkmale wie Fellfarbe und Ohrtyp betrachtet und deren möglicher Einfluss auf Hund-Hund- sowie Hund-Mensch-Interaktionen diskutiert. Der Vortrag bietet spannende Einblicke in die Forschung zur Hundekommunikation und zeigt, welche Bedeutung körperliche Merkmale für das Verhalten und das Wohlbefinden unserer Hunde haben können.


„Fütterung der Zuchthündin sowie von Welpen und Junghunden“ am 22.09.2026 mit Frau Prof. Dr. Paßlack

Eine optimale Fütterung ist für die Gesundheit von Zuchthündinnen von großer Bedeutung. Ernährungsfehler können nicht nur die trächtige und säugende Hündin stark beeinträchtigen, sondern auch negative Folgen für die Welpen haben. Ebenso nimmt die Fütterung bei abgesetzten Welpen und Junghunden eine zentrale Rolle ein und beeinflusst u.a. die Knochenentwicklung bzw. das Wachstum. In dem Webinar sollen die Grundlagen der Fütterung von Zuchthündinnen, Welpen und Junghunden praxisnah besprochen werden. So wird erläutert, welche besonderen Ernährungsansprüche die Hunde in diesen Lebensphasen haben, und wie man sie mit unterschiedlichen Fütterungsvarianten (kommerzielles Alleinfutter, selbst gekochte Rationen, BARF) erfüllen kann. Das Webinar wird interaktiv gestaltet, damit die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen und Erfahrungen zu teilen.


Es handelt sich jeweils um Online-Seminare. Die Anmeldung können Sie über https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/akademie-hundehaltung-hundezucht/


Impfschutz für Hunde

Der richtige Impfschutz für Hunde

Die Gesundheit unserer Vierbeiner liegt uns am Herzen. Impfungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie bieten vor schweren oder gar tödlichen Krankheiten Schutz. Dieser sollte gegen einige Erreger dauerhaft aufrechterhalten werden, gegen andere ist das nur je nach Wohnregion und Reiseaktivitäten relevant. Tierärzte halten sich dabei genau an die Empfehlungen. Doch auch Halter sollten entsprechend Bescheid wissen – zumindest über die Kernimpfungen, die für jeden Hund in Deutschland empfohlen werden, betont Dr. Max Bastian. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie leitet die Geschäftsstelle der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut.

Die StIKo Vet veröffentlicht und aktualisiert in regelmäßigen Abständen Leitlinien mit Empfehlungen, welche Impfungen aktuell für die verschiedenen Tierarten besonders wichtig sind (https://stiko-vet.fli.de/de/empfehlungen/). Dabei unterscheidet sie in Core-Impfungen für alle Tiere einer Art sowie Non-Core-Impfungen für den Einzelfall.

Core-Impfungen: Diesen Schutz sollte jeder Hund haben „Bei den sogenannten Core-Impfungen handelt es sich um eine Impfkomponente, gegen die jedes Tier in Deutschland zu jeder Zeit geschützt sein sollte“, erklärt Dr. Bastian. „Grundlegend dafür sind drei Kriterien: Die Erreger müssen bei uns vorkommen, die Erkrankungen müssen erwartbar schwere Folgen haben und es sollten Impfstoffe vorhanden sein, die zuverlässig davor schützen.“

Staupe und „Hundeseuche“ (Parvovirose) sind Viruserkrankungen, die sich häufig durch hohes Fieber, Abgeschlagenheit und mitunter Durchfall und Erbrechen bemerkbar machen. Bei schweren Verläufen kann es zu bleibenden Schäden oder zum Tod kommen. Schon Welpen werden daher grundimmunisiert. Dieser Schutz hält lange an und verhindert bereits zuverlässig eine Ansteckung. Derzeit ist empfohlen, den Schutz alle drei Jahre aufzufrischen.

Leptospirose ist eine bakterielle Infektion. Sie wird vor allem über den Urin von Nagetieren übertragen, der Pfützen oder Gewässer verschmutzt. Neben Fieber und Erbrechen sind vor allem Nierenversagen und Atemnot zwei ernsthafte und häufige Folgen. „Unter den Leptospiren gibt es viele Varianten, die teils unterschiedlich wirken können. Die Impfstoffe decken zwar ein großes Spektrum ab, aber es lassen sich nicht alle Varianten zuverlässig ausschließen. Außerdem hält die Immunabwehr nicht ganz so lange an. Deshalb empfiehlt sich hier eine jährliche Auffrischung“, erklärt der Experte.

Zu den Non-Core-Impfungen zählt etwa der Schutz gegen Tollwut oder gegen Leishmaniose, die umgangssprachlich häufig zu den Mittelmeerkrankheiten gezählt wird. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut, also bei am Boden lebenden Haus- und Wildtieren. Somit gehört Tollwut hier nicht mehr zu den Kernimpfungen. Wer allerdings mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, muss sein Tier dennoch dagegen impfen und dies vom Tierarzt in den EU-Heimtierausweis eintragen lassen, um den Impfstatus nachweisen zu können.

Die Leishmaniose wird über Sandmücken übertragen, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommen. Dazu der Fachtierarzt: „Mein Hund verbringt sein ganzes Leben in Vorpommern, der braucht keine Impfung gegen Erreger, die es dort nicht gibt. Für Menschen aus Süddeutschland, die regelmäßig mit ihren Tieren nach Italien oder Südfrankreich fahren, kann die Impfung dagegen doch sinnvoll sein.“ Leishmaniose sei allerdings ein Erreger, der – bedingt durch den Klimawandel – vielleicht irgendwann auch in Deutschland heimisch werden könnte. In dem Fall würde die StIKo Vet den Impfschutz gegebenenfalls zukünftig als Core-Impfung einstufen.

Ob generell oder nur unter besonderen Umständen: Eine Pflicht zur Impfung gibt es in Deutschland nicht, erklärt Dr. Bastian. „Wir können hier also immer nur Empfehlungen aussprechen. Die einzige Ausnahme ist die staatlich angeordnete Impfung gegen Tollwut bei Auslandsreisen. Ansonsten können aber auch Hundeschulen, -vereine oder Tierheime bestimmte Impfungen für ihre Einrichtung als verpflichtend voraussetzen. Das liegt in ihrem Hausrecht.“

Im Idealfall wird der Tierarzt regelmäßig von selbst die Impfungen prüfen und mit dem Halter darüber sprechen, in welchen zeitlichen Abständen welche Impfung aufgefrischt werden sollte – etwa beim jährlichen Gesundheitscheck. „Dabei untersucht der Tierarzt bei Bedarf alles von den Zähnen über das Blut bis eben zu den Impfungen. Hier kann man auch klären, ob der Impfschutz noch aktiv ist oder, wenn eine Reise ansteht, ob es dazu etwas zu beachten gibt“, sagt Dr. Bastian. „Und falls man zum Beispiel Nebenwirkungen befürchtet, bietet sich ein Antikörpertest an. Damit lässt sich vorab prüfen, ob überhaupt eine Auffrischung notwendig ist oder der Impfschutz noch ausreicht.“ IVH


Unsichere Hunde richtig unterstützen

Unsichere Hunde richtig unterstützen

Unsichere Hunde richtig unterstützen

Nicht jeder Hund begegnet neuen Situationen gelassen. Manche reagieren vorsichtig auf fremde Menschen, andere auf ungewohnte Geräusche oder auf Veränderungen im Alltag. Wer die Signale frühzeitig erkennt und richtig reagiert, kann deeskalieren – und seinem Hund helfen, Vertrauen aufzubauen.

Unsicherheit kann sich bei Hunden sehr unterschiedlich äußern. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren hektisch oder sogar laut und impulsiv. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch aggressives Verhalten ist häufig durch Unsicherheit oder Angst motiviert. „Hunde kommunizieren Unsicherheit meist über ihre Körpersprache“, erklärt Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“. „Wer die Signale kennt, kann Stress schon erkennen, bevor der Hund laut wird oder sich zurückzieht. Typische Hinweise sind eine eingezogene Rute, angelegte Ohren, starkes Hecheln, Gähnen oder vermehrtes Lecken.“ Oft wird Unsicherheit mit Ungehorsam verwechselt – allerdings reagiert der Hund nur nicht wie gewohnt, weil er gerade mit einer belastenden Situation umgehen muss.

Einige Hunde reagieren besonders sensibel auf fremde Menschen oder andere Hunde. „Häufig hängt das entweder mit fehlenden oder aber mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen“, sagt Expertin Ketter. Unsichere Hunde versuchen zunächst oft, Distanz aufzubauen – etwa durch Ausweichen oder Verstecken. Ihr Verhalten und ihre Körpersprache weisen zunehmend weg vom Gegenüber, von der Situation oder vom Objekt, das die Furcht auslöst. Erst wenn das Unwohlsein übersehen wird, fällt die Reaktion oft deutlicher aus, beispielsweise durch Bellen oder Knurren. Macht der Vierbeiner unangenehme Erfahrungen mehrfach, kann aus Unsicherheit sogar Angst werden. Statt den Hund zu ignorieren oder in beängstigende Situationen zu zwingen, sollten Halter ihren Vierbeinern daher die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen.

Gewitter, Silvester- oder Baustellenlärm: Laute Geräusche zählen zu den häufigsten Stressfaktoren bei Hunden. Während manche sich schnell wieder beruhigen, benötigen andere mehr Unterstützung. „Wichtig ist dabei vor allem, selbst gelassen zu bleiben“, rät Dr. Ketter. „Heimtiere spiegeln das Verhalten ihrer Bezugspersonen: Ist der Mensch entspannt, wird sich auch der Hund schneller beruhigen.“ Um seinem Hund aktiv Sicherheit vermitteln zu können, muss man die Situation erst einmal als Stresssituation erkennen. Häufig kündigt sich Unsicherheit bereits in der Körpersprache an – kleine Details in Haltung, Blick, Bewegungen und Verhalten ergeben ein Gesamtbild.

Um Probleme mit Unsicherheit langfristig zu lösen, braucht es vor allem viel Geduld. Selten ändert sich das Verhalten von heute auf morgen. „Gerade sensible Hunde brauchen Zeit, um Vertrauen aufzubauen und neue Erfahrungen positiv zu verknüpfen“, sagt die Expertin. „Wichtig ist, den Hund nicht zu überfordern und auch die kleinen Fortschritte wahrzunehmen.“ Schenkt man seinem Tier Sicherheit durch Vertrauen, Geduld und Verlässlichkeit, stehen die Chancen gut, die Unsicherheit in den Griff zu bekommen – und zudem entsteht eine starke Bindung zwischen dem Menschen und seinem Vierbeiner. IVH


Demenz beim Hund

Demenz beim Hund: Früher erkennen, gezielt begleiten

Demenz beim Hund ist längst keine Seltenheit mehr. Mit zunehmender Lebenserwartung unserer Haustiere gewinnt sie an Bedeutung. Nach aktuellen Studien ist etwa jeder dritte Hund mit 12 Jahren und sogar jeder zweite Hund mit 15 Jahren betroffen. Eine kürzlich veröffentlichte neue Leitlinie liefert erstmals eine fundierte Grundlage für Kleintierärzte und Tierhaltende, um die Erkrankung besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und gezielt zu begleiten.

Verhaltensänderungen wie Desorientierung, Unruhe in der Nacht, nachlassende Stubenreinheit oder ein verändertes Sozialverhalten werden häufig als normale Alterserscheinungen abgetan. Tatsächlich können sie jedoch Ausdruck einer ernstzunehmenden Erkrankung sein: Die Demenz des Hundes, auch als kognitive Dysfunktion bezeichnet, ist eine fortschreitende Veränderung des Gehirns - vergleichbar mit der Alzheimer-Erkrankung beim Menschen. Die neue Leitlinie schafft hier Klarheit und hilft, krankhafte Veränderungen von normalem Altern zu unterscheiden.

Im Zentrum der Empfehlungen steht eine systematische Beurteilung typischer Verhaltensänderungen sowie eine Einteilung in drei Schweregrade. Ziel ist es, betroffene Hunde möglichst früh zu identifizieren und den Krankheitsverlauf gezielt zu begleiten.

Neben der klinischen Untersuchung und Analyse von Verhaltensänderungen können - je nach Fall - weiterführende Untersuchungen wie bildgebende Verfahren (z. B. MRT) oder die Analyse von Hirnwasser (Liquor) eingesetzt werden, um andere Ursachen auszuschließen und die Diagnose zu untermauern.

Wichtig ist dabei auch die klare Abgrenzung und Prüfung anderer Ursachen: Verhaltensänderungen können auch durch nachlassende Seh- oder Hörleistung, Zahnprobleme, Schmerzen (z. B. durch Arthrose) sowie weitere neurologische oder internistische Erkrankungen bedingt sein und müssen entsprechend abgeklärt und ggf. behandelt werden. Auch können mehrere Erkrankungen gleichzeitig auftreten.

Auch wenn die Demenzerkrankung nicht heilbar ist, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um betroffene Hunde zu unterstützen. Dazu zählen medikamentöse Ansätze, aber auch die Ernährung und Supplemente wie Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, mittelkettige Fettsäuren oder geeignete Präparate zur Stressreduktion. Ebenso entscheidend sind kognitive Beschäftigung, feste Routinen und eine möglichst stabile, stressarme Umgebung.

Für Tierhalterinnen und Tierhalter bedeutet die Demenz ihres Tieres oft eine Umstellung im Alltag. Feste Tagesabläufe und viel Geduld helfen, den Hund zu unterstützen. Trotz der Veränderungen bleibt die emotionale Bindung bestehen - und spielt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden des Tieres.

Auch wenn sich die Demenzerkrankung letztlich nicht aufhalten lässt, können die frühzeitige Diagnose und ein angepasstes Management den Verlauf positiv beeinflussen und Symptome deutlich abmildern. Die kontinuierliche Forschung und die neuen Leitlinien unterstützen Tierärzte und Tierhaltende dabei.

Bundesverband für Tiergesundheit e.V.


Zeckenschutz für den Hund

Zeckenschutz für den Hund

Achtung, Blutsauger! Zeckenschutz für Hund und Katze

Sie leben in Wald und Feld, mögen es meist warm und feucht – und breiten sich in Deutschland immer weiter aus: Zecken sind Tierhaltern ein Dorn im Auge und in den Sommermonaten besonders aktiv. Gleich mehrere Arten der Spinnentiere ernähren sich gern von Hunde- und Katzenblut und können dabei Krankheiten übertragen. Halter sollten deshalb vorsorgen und wissen, wie man im Fall des Falles Zecken sicher entfernt.

In Deutschland sind bei Hunden und Katzen vor allem der Gemeine Holzbock, die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke aktiv. Während die ersten beiden in Wäldern, Wiesen und Gärten oder feuchten Gebieten wie Auenwäldern und Flussniederungen zu finden sind, lebt die Braune Hundezecke oft in Gebäuden. Sie stammt ursprünglich aus wärmeren Klimazonen und kam erst in den letzten Jahren nach Deutschland – etwa mit Heimtieren aus südlichen Ländern. Wie ihr Name schon sagt, befällt sie eher Hunde als Katzen.

„Wir beobachten eine zunehmende Verbreitung und Mobilität von Zecken“, sagt Tierärztin Susanne Arndt vom Kleintierzentrum Arndt in Karlsruhe-Durlach. „Die Winter sind wesentlich wärmer und die Temperaturen insgesamt milder. So können Zecken länger aktiv sein und in neue Gebiete vordringen. Damit steigt das Risiko, dass Hunde und Katzen mit ihnen in Kontakt kommen.“

Das ist deshalb gefährlich, weil Zecken während ihrer Blutmahlzeit verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Am häufigsten infizieren sich Vierbeiner so mit Borreliose und Anaplasmose. Beides kann Fieber, Gelenkschmerzen, Nierenprobleme und Schwäche verursachen. Um Borreliose bei Hunden vorzubeugen, kann man die Tiere impfen lassen. Ob dies sinnvoll ist, hängt vom Lebensraum und der Aktivität des Tieres ab sowie vom individuellen Risiko. Deshalb sollten Tierhalter das im Einzelfall gemeinsam mit ihrem Tierarzt entscheiden. Auch Babesiose und Ehrlichiose können zu hohem Fieber führen sowie zu Symptomen wie Blutarmut oder Gewichtsverlust. Die meisten dieser Krankheiten treten öfter bei Hunden als bei Katzen auf.

Um ihre Tiere vor Zecken zu schützen, können Halter einiges tun. „Es gibt verschiedene Produkte wie Spot-Ons, Halsbänder und Sprays, die Zecken abwehren oder abtöten bevor diese in der Lage sind, Krankheitserreger mit ihrem Speichel zu übertragen“, so Arndt. „Aktuell ist ein neues Injektionspräparat auf den Markt gekommen, das über zwölf Monate vor Zecken schützen soll.“ Wichtig: Bevor sie Zeckenschutzmittel anwenden, sollten sich Tierhalter vergewissern, dass sich die Präparate für die jeweilige Tierart eignen. Einige Hundeprodukte etwa sind für Katzen giftig, denn sie können den oft enthaltenen Wirkstoff Permethrin nicht verarbeiten.

Halter haben grundsätzlich die Wahl sich zwischen natürlichen und chemischen Wirkstoffen zu entscheiden, um Zecken abzuwehren:

Ätherische Öle wie Lavendelöl schrecken Zecken ab. Aber Achtung: Manche ätherische Öle können auch dem Hund schaden. Daher unbedingt vorher informieren, welche geeignet sind! Kieselgur oder Diatomeenerde wird aus Algen gewonnen. Dieses Pulver beschädigt das Außenskelett der Zecken, wodurch sie austrocknen. Solche natürlichen Mittel bieten im Vergleich zu chemischen Alternativen allerdings einen geringeren Schutz und müssen häufiger aufgetragen werden. Chemische Produkte sind dagegen langanhaltend, können aber unter Umständen zu Nebenwirkungen wie Hautreizungen, Erbrechen oder Durchfall führen, seltener auch zu allergischen Reaktionen. Daher sind viele Produkte verschreibungspflichtig und nur über den Tierarzt oder in der Apotheke zu bekommen.

Typische chemische Präparate sind: Zeckenhalsbänder, die dauerhaft Wirkstoffe gegen Zecken abgeben, sowie Spot-on-Präparate, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Dabei gibt es genaue Anweisungen zu beachten. Zum Beispiel sollte der Hund die Stelle nicht ablecken können. Empfohlen wird daher in der Regel der Nackenbereich. Weiterhin gibt es Tabletten, die dafür sorgen, dass Zecken abgetötet werden, sobald sie sich festsaugen wollen.

Regelmäßige Kontrollen tragen ebenfalls zum Zeckenschutz bei. So sollten Hundehalter ihre Vierbeiner nach Spaziergängen und Ausflügen gründlich nach den Parasiten absuchen. Gleiches gilt für Halter von Freigänger-Katzen, wenn diese nach einem Streifzug durchs Revier wieder nach Hause kommen. Hat sich eine Zecke festgesaugt, ist schnelles Handeln gefragt. Die Zecke muss entfernt werden, damit keine Erreger übertragen werden. „Mit einer Zeckenzange oder einem speziellen Haken wird die Zecke so nah wie möglich an der Haut gegriffen“, erklärt Arndt. „Dann dreht oder zieht man langsam an der Zecke, bis sie entfernt ist. Wichtig ist, sie dabei nicht zu quetschen, da sonst erhöhte Mengen von Krankheitserregern freigesetzt werden können.“ Die Bissstelle können Tierhalter im Anschluss mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel behandeln und die Zecke sicher entsorgen, etwa in einem verschlossenen Gefäß. Man kann sie auch in Alkohol setzen oder mit Klebeband umwickeln. Einfach wegwerfen sollte man sie jedoch nicht, da sie noch leben könnte. Zeigen sich in den folgenden Tagen und Wochen Krankheitssymptome beim Hund oder Rötungen beziehungsweise Schwellungen an der Bissstelle, sollten Halter zur Sicherheit zum Tierarzt gehen.

Wird alles das beachtet, können Mensch und Tier den Sommer trotz der kleinen Blutsauger unbeschwert genießen. IVH


Steuertipps für Hundehalter

Steuertipps für Hundehalter

Steuertipps für Hundehalter

Für viele ist es ein Thema, das sie gerne vor sich herschieben: die Steuererklärung. Was viele nicht wissen: Auch die Ausgaben für privat gehaltene Hunde können unter bestimmten Umständen steuerlich geltend gemacht werden.

Bei der Steuererklärung macht es einen bedeutenden Unterschied, ob ich ein Tier privat halte oder es sich zum Beispiel um einen Dienst- oder Assistenzhund handelt. „Wenn das Tier beruflich eingesetzt wird, sind fast alle für die Haltung anfallenden Kosten steuerlich absetzbar. Bei Selbstständigen sind das Betriebskosten, bei Angestellten Werbungskosten“, erklärt Rechtsanwältin Sabina Büttner, Leiterin Steuern und Soziales beim Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen. „In der Privathaltung sind die Kosten für die Pflege, Ernährung oder Tierarztbesuche dagegen grundsätzlich erst mal nicht absetzbar. Es gibt aber trotzdem ein paar Ausnahmen.“

Bei diesen Ausnahmen handelt es sich vor allem um die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen. Dazu zählen etwa Kosten für einen Hundetrainer, Groomer oder Tiersitter. „Entscheidend ist, dass die Person zu mir nach Hause kommt und dort ihre Dienstleistung erbringt. Dann kann ich 20 Prozent der Kosten und maximal 4.000 Euro im Jahr absetzen“, sagt die Expertin.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dazu 2017 geurteilt, dass auch ein Gassiservice als haushaltsnahe Dienstleistung zählt, wenn der Tiersitter den Hund an der Haustür abholt, das Grundstück verlässt und den Vierbeiner anschließend wieder zurückbringt. Der Besuch beim Tierarzt zählt dagegen nicht als haushaltsnahe Dienstleistung und kann entsprechend nicht abgesetzt werden.

„Wichtig sind außerdem Belege, um die Kosten in der Steuererklärung nachweisen zu können. Das heißt, dass der Dienstleister ein Gewerbe angemeldet haben muss und Rechnungen erstellt wurden, in denen Fahrt- und Arbeitskosten aufgeschlüsselt sind. Barzahlungen, auch in Verbindung mit einer Quittung, erkennt das Finanzamt in der Regel nicht an“, so Büttner.

Die Kosten für eine separate Hundehaftpflichtversicherung können theoretisch als Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung angegeben werden. „Der Freibetrag für Vorsorgeaufwendungen beträgt 1900 Euro für Arbeitnehmer, Beamte und Rentner sowie 2800 Euro für Freiberufler, Selbstständige und Rentner, die keinen Zuschuss zur Krankenversicherung erhalten“, fasst die Steuerexpertin zusammen. Diese Höchstbeträge sind in der Regel schon durch die Beiträge zu den weiteren privaten Versicherungen wie der eigenen Krankenversicherung oder Privathaftpflicht erreicht. Eine Ersparnis gibt es hier somit nur, wenn der Freibetrag noch nicht ausgeschöpft ist.

Die Anschaffungskosten und die Hundesteuer sind nicht von der Steuer absetzbar. Abseits der Steuererklärung kann es aber auch hier Ermäßigungen für Tierhalter geben. Das regeln die jeweiligen Kommunen in ihren Satzungen. „Befreit sind in der Regel Jagdhunde, Assistenzhunde, Rettungshunde und Hirtenhunde. Ermäßigungen gibt es meist für Polizeihunde, Therapiehunde und Tierheimhunde“, sagt Büttner. Empfänger von staatlichen Zuwendungen wie Arbeitslosengeld oder Bürgergeld können zudem eine Ermäßigung für die Hundesteuer beantragen.

Wird der Hund beruflich eingesetzt, sind fast alle Ausgaben für das Tier absetzbar. Eine Besonderheit gibt es aber bei Assistenz- und Behindertenbegleithunden, erklärt Büttner: „Die Anschaffungs- und Ausbildungskosten eines Assistenzhundes sind sehr hoch. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für einen Blindenführhund, allerdings häufig nicht die Kosten für andere Assistenzhunde. Wurde die Anschaffung eines Assistenzhundes vorab ärztlich verordnet, können sämtliche Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden. Liegt allerdings eine Behinderung vor, werden die Ausgaben für einen Assistenzhund häufig mit dem Behindertenpauschbetrag abgegolten.“

Wer sich allgemein oder in solchen Sonderfällen unsicher ist, ob und wie bei der eigenen Tierhaltung steuerliche Ersparnisse möglich sind, kann sich dazu auch an Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater wenden. IVH


eLeaflets für Tierarzenimittel

eLeaflets für Tierarzenimittel

Digitalisierung nicht länger vertagen: eLeaflets für Tierarzneimittel jetzt ermöglichen

Der Bundesverband für Tiergesundheit e. V. (BfT) spricht sich dafür aus, die Einführung elektronischer Packungsbeilagen für Tierarzneimittel gesetzlich zu ermöglichen. Die EU-Tierarzneimittel-Verordnung sieht bereits vor, dass Mitgliedstaaten Packungsbeilagen für Tierarzneimittel auf Papier, elektronisch oder in beiden Formen zulassen können. Das deutsche Tierarzneimittelgesetz (TAMG) schreibt bislang jedoch weiterhin die Papierform vor.

Der BfT spricht sich daher, für eine zügige Öffnung des TAMG aus. Ziel ist eine praxistaugliche, sichere und bürokratiearme Lösung, die digitale Möglichkeiten nutzt und dauerhafte Doppelstrukturen vermeidet.

"Die elektronische Packungsbeilage ist kein Zukunftsthema, sondern eine konkrete Möglichkeit, die jetzt umgesetzt werden kann. Nach unseren Gesprächen mit Behörden, Ministerien und weiteren Stakeholdern sehen wir dafür eine grundsätzlich positive Haltung. Entscheidend ist nun, diesen Rückenwind für eine pragmatische, rechtssichere und bürokratiearme Lösung zu nutzen", erklärt Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des BfT.

Elektronische Packungsbeilagen, sogenannte eLeaflets, können über QR-Codes auf der Verpackung einfach zugänglich gemacht werden. Sie ermöglichen es, Informationen effizienter zu aktualisieren und Tierärztinnen und Tierärzten sowie Tierhalterinnen und Tierhaltern in aktueller Form bereitzustellen. Damit leisten sie einen unmittelbaren Beitrag zur sicheren Anwendung von Tierarzneimitteln, zur Versorgungssicherheit und zum Tierschutz.

Zugleich reduzieren eLeaflets unnötige Kosten, Ressourcenverbrauch und Verwaltungsaufwand. Papiergebundene Packungsbeilagen verursachen bei Änderungen Übersetzungs-, Druck-, Lager- und Logistikaufwand. Eine dauerhafte Pflicht zu parallelen Papier- und Digitalfassungen würde diese Belastungen nicht abbauen, sondern verstetigen.

Der BfT schlägt deshalb eine kurze Einführungsphase vor: Für zwei Jahre sollte die Papierversion weiterhin verpflichtend bleiben, während die elektronische Packungsbeilage zusätzlich eingeführt werden kann. Danach sollte produktbezogene Wahlfreiheit gelten - elektronische Form oder Papierform, ohne verpflichtenden Parallelbetrieb.

"Deutschland sollte bei der Digitalisierung und bei der Umsetzung europäischen Rechts vorangehen. Es geht nicht um eine neue Pflicht, sondern um eine zusätzliche, zeitgemäße Option für Tiergesundheitsunternehmen, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierhaltende", so Dr. Schüller.

Elektronische Formate bieten zusätzliche Vorteile: Sie können heruntergeladen offline genutzt oder bei Bedarf ausgedruckt werden. Außerdem ermöglichen sie barriereärmere Anwendungen, etwa durch vergrößerbare Texte, Vorlesefunktionen oder perspektivisch mehrsprachige Angebote. Die Mobilfunkkarten der Bundesnetzagentur zeigen zudem eine flächendeckende digitale Grundversorgung.

Die Verantwortung für korrekte und aktuelle Packungsbeilagen liegt wie bisher beim Zulassungsinhaber des jeweiligen Produkts. Die Überwachung kann analog zu bestehenden Verfahren durch die zuständigen Behörden erfolgen. Dabei sollte Deutschland nicht auf eine spätere zentrale EU-Lösung warten, sondern die laufenden europäischen Arbeiten aktiv begleiten und zugleich nationale Handlungsspielräume nutzen.

Besonders wichtig ist aus Sicht des BfT: Die elektronische Packungsbeilage ersetzt nicht die tierärztliche Beratung. Da Tierarzneimittel im Regelfall über die tierärztliche Praxis abgegeben werden, bleiben Beratung und sichere Anwendung gewährleistet. eLeaflets ergänzen diese Beratung durch aktuelle, leicht zugängliche und ressourcenschonende Informationen.

Für die technische Umsetzung sollte zunächst ein niedrigschwelliger Ansatz genügen: ein gut lesbares, druckfähiges PDF, abrufbar über QR-Code auf der Verpackung. Strukturierte Formate sollten EU-weit abgestimmt werden. Nationale Sonderwege würden den bürokratischen Aufwand dagegen unnötig erhöhen.

"Was wir brauchen, ist eine einfache, verlässliche und europäisch anschlussfähige Regelung. Was wir nicht brauchen, sind lange Übergangsfristen, nationale Sonderformate oder eine dauerhafte doppelte Pflicht zu Papier und elektronischem Format. eLeaflets sind ein konkreter Beitrag zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Bürokratieabbau", betont Dr. Schüller. (ots)

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.


Homeoffice mit Hund

Homeoffice mit Hund

Homeoffice mit Hund: So finden Berufstätige die richtige Balance

Einen eigenen Hund haben und von zu Hause arbeiten? Tatsächlich bietet diese Kombination viele Vorteile: Studien zeigen, dass Hunde das Wohlbefinden steigern und den Arbeitsalltag positiv beeinflussen können. Gut funktioniert Homeoffice mit Hund vor allem dann, wenn der Arbeitstag nicht nur zum Job passt, sondern auch zum Tier.

Ein Vierbeiner im Homeoffice kann den Arbeitsalltag spürbar verändern – oft zum Positiven. „Ein Hund kann dem Arbeitstag zu Hause mehr Struktur geben. Man kommt regelmäßig vor die Tür, macht bewusster Pausen und wird daran erinnert, nicht acht Stunden am Stück vor dem Bildschirm zu sitzen. Das funktioniert vor allem, wenn auch der Hund Ruhe, Rückzug und verlässliche Abläufe bekommt“, fasst Markus Beyer, erster Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund e.V., zusammen. Selbst kurze Interaktionen und Tätigkeiten, also etwa ein Streicheln, wenn der Hund Nähe sucht, oder das Auffüllen des Wassernapfs, können dabei helfen, den Kopf freizubekommen und anschließend konzentrierter weiterzuarbeiten. Auch kurze gemeinsame Pausen lassen sich oft zwischen zwei Terminen einplanen und helfen, die Gedanken zu sortieren.

Klare Strukturen schaffen Orientierung – für Mensch und Hund Der Hund braucht im Homeoffice genau wie im sonstigen Alltag klare Abläufe. Wann gibt es Futter? Wann geht es gemeinsam vor die Tür? Und wann ist Ruhe angesagt? Bei der Arbeit im heimischen Büro geben diese festen Zeiten nicht nur dem Hund Sicherheit, sondern sind auch für seinen Menschen gute Orientierungspunkte, um regelmäßige Pausen einzuplanen. Zudem kann ein längerer Spaziergang am Morgen dabei unterstützen, mit mehr Energie in den Tag zu starten.

„Manche Menschen unterschätzen, wie viel Ruhe Hunde brauchen. Sie schlafen und dösen einen großen Teil des Tages. Diese Zeit muss ihnen auch im Homeoffice zugestanden werden. In meinem kommenden Buch beschreibe ich dafür das Drei-Welten-Modell: Es geht immer um die Bedürfnisse des Menschen, die Anforderungen der Arbeit und das Wohl des Hundes“, sagt Beyer. „Ein fester, geschützter Rückzugsort und klare Arbeitsphasen helfen dem Hund, zur Ruhe zu kommen. Für den Menschen entsteht dadurch ebenfalls mehr Verlässlichkeit im Arbeitstag.“ Das lässt sich mit dem Hund gezielt und freundlich aufbauen – beispielsweise mit einem Signal, auf das er zunächst nur wenige Sekunden und später länger ruhig an seinem Platz bleibt. Verhält er sich entsprechend, sollte er dafür gelobt oder mit einem Leckerli belohnt werden.

Wichtig ist auch, den Hund durch Spaziergänge oder gemeinsame Aktivitäten angemessen zu beschäftigen. Dann kann er sich im Anschluss besser entspannen – und ermöglicht ruhige Arbeitsphasen. Mit der Zeit stellt sich so eine Balance ein: Mal ruht der Hund, während der Mensch arbeitet – und mal ist gemeinsame Zeit.

Auch wenn die Arbeit mit Hund im Homeoffice gut funktionieren kann, gibt es Alternativen. Wer sich selbst immer wieder ablenken lässt, kann für seinen tierischen Begleiter eine Betreuung organisieren, um konzentriert arbeiten und sich keine Gedanken um das hündische Wohlbefinden machen zu müssen. Und selbst wenn Homeoffice keine Option ist, kann die Arbeit mit Hund gelingen: Viele Arbeitgeber beschäftigen sich inzwischen offener mit dem Thema Bürohund. Ein gutes Gespräch, klare Regeln und eine Testphase können hier ein verantwortungsvolles Miteinander ermöglichen. Dafür müssen die Interessen aller drei Seiten berücksichtigt werden: Unternehmen, Mitarbeitende und Hund.

Der Bundesverband Bürohund e.V. gibt auf seiner Website weitere Tipps, wie die Integration eines Bürohundes funktionieren kann. Zudem bietet der Verband persönliche Beratung und Unterstützung für Unternehmen an. IVH


Alter Steinbruch wird zum Trainingsgelände

Alter Steinbruch wird zum Trainingsgelände

Ehemaliger Steinbruch wird zum Trainingsgelände für Organisationen der Unglücks- und Katastrophenhilfe

Die Hartsteinwerk – Working Dog Foundation e.V. öffnet das rund 11-Hektar-Areal in Förtschendorf für Feuerwehren, THW, Bergwacht und Rettungshundestaffeln – kostenfrei

Bagger und Muldenkipper standen hier einst im Dauereinsatz. Heute durchsuchen Rettungshunde die Abraumhalden, üben Feuerwehrkräfte den Ernstfall bei Waldbrandgefahren und Katastrophenschutzeinheiten proben den koordinierten Einsatz. Der ehemalige Steinbruch, das Hartsteinwerk in Förtschendorf im Landkreis Kronach, hat eine neue, gemeinnützige Bestimmung gefunden – und könnte für Hilfsorganisationen der Region zu einem unverzichtbaren Trainingspartner werden.

Als die Hartsteinwerk – Working Dog Foundation e.V. das rund 110.000 Quadratmeter große Gelände im Jahr 2022 erwarb, war die Vision klar: Ein authentisches, naturbelassenes Übungsareal für Such-, Rettungs- und Katastrophenschutzorganisationen – kostenlos nutzbar, überregional verfügbar, einzigartig in seiner Art. Heute ist die sogenannte „Working Dog Area“ Realität. Und sie dürfte ihresgleichen suchen.

Wer das Gelände zum ersten Mal betritt, ist von seiner Weitläufigkeit überwältigt. Abraumberge, Schutzwälle, Felsbereiche, aufgelassene Werkstattgebäude, Wald und Magerwiesen – die Topografie des ehemaligen Hartsteinwerks bietet eine Vielfalt, die kein künstlich angelegtes Übungsareal replizieren könnte. Genau das macht das Gelände so wertvoll für die Einsatzausbildung.

"Kein aufgebautes Kulissengelände, sondern ein authentisches Areal im Wandel" – so beschreibt die Foundation ihren Trainingsstandort. Tatsächlich verändert sich das Gelände von Saison zu Saison durch natürlichen Bewuchs und Erosion. Was für Laien wie ein Nachteil klingen mag, ist für Ausbilder ein entscheidender Vorteil: Einmal geübte Szenarien lassen sich nicht einprägen – die Vierbeiner und ihre Hundeführer müssen bei jedem Einsatz neu denken.

Wer bei dem Namen „Working Dog Area“ ausschließlich an Hundetraining denkt, unterschätzt das Potenzial des Standortes erheblich. Die Foundation macht deutlich: Das Gelände steht allen Einsatzkräften offen – unabhängig davon, ob Vierbeiner mit im Spiel sind oder nicht. Die Feurwehren nutzen das Gelände zur Übung in Bezug auf eine mögliche Waldbrandbekämpfung in der Region. Das Technische Hilfswerk kann auf dem variablen Geländeuntergrund Bergungsszenarien erproben und Fahrzeuge sowie Spezialgerät unter authentischen Bedingungen einsetzen. Bergwacht-Einheiten finden auf den Böschungen und Abraumhalden geeignete Bedingungen für Tragesystem-Übungen und Geländeorientierung. Und für komplexe Stabslagen bietet das weitläufige, abgesperrte Areal die seltene Möglichkeit, interorganisationale Zusammenarbeit ohne Rücksicht auf den Straßenverkehr oder öffentliche Zuschauer zu trainieren.

Regelmäßig üben hier Rettungshundestaffeln aus dem In- und Ausland. Die Bandbreite ist groß: Flächenhunde, spezialisiert auf die Suche nach vermissten Personen in unwegsamen Gelände, Tümmersuchhunde, ausgebildet zum Aufspüren verschütteter Personen und Mantrailer, die anhand des Individualgeruchs einer Person deren Spur aufnehmen. Auch spezialisierte Teams im Bereich „Search And Recovery“ – Hundestaffeln, die auf die Suche nach menschlichen Überresten trainiert sind – nutzen das Areal für ihre anspruchsvolle Ausbildungsarbeit.

Das Besondere: Die natürliche Veränderung des Geländes verhindert, dass Hunde einmal gefundene Verstecke auswendig lernen. Jedes Training bleibt eine echte Herausforderung – für Tier und Mensch gleichermaßen.

Was das Angebot besonders attraktiv macht: Die Nutzung ist für Partnerorganisationen vollständig kostenfrei. Die Hartsteinwerk – Working Dog Foundation e.V. versteht sich als gemeinnützige Institution, deren Ziel die Förderung des Unglückshilfe ist – nicht die Erwirtschaftung von Gebühren. Termine werden individuell abgestimmt, langfristige Kooperationsvereinbarungen sind möglich, und interorganisationale Gemeinschaftsübungen mehrerer Einheiten gleichzeitig sind ausdrücklich erwünscht.

Die geografische Lage des Geländes im Landkreis Kronach macht es für Einheiten aus ganz Nordbayern und dem angrenzenden Thüringen gut erreichbar. Dass das Gelände bereits von nationalen und internationalen Staffeln regelmäßig genutzt wird, unterstreicht seinen Ruf als erstklassiger Trainingsstandort.

Organisationen, die das Gelände besichtigen oder eine Nutzung vereinbaren möchten, können sich direkt an die Hartsteinwerk – Working Dog Foundation e.V. wenden. Weitere Informationen finden sich unter www.working-dog-foundation.de.