Der Gassi-Knigge

Gassi-Knigge: Verhaltenstipps für die Begegnung mit fremden Hunden

Wenn sich zwei Hundehalter auf den Gassirunden mit ihren Vierbeinern begegnen und diese ihr Gegenüber noch nicht kennen, ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt: Dürfen sich die Hunde beschnuppern und begrüßen? Was ist, wenn nur einer an der Leine ist? Was bedeutet es, wenn einer der Hunde eine gelbe Schleife trägt? Für einen respektvollen Umgang miteinander gibt es ein paar Grundregeln, wie sich Hundehalter verhalten sollten.

Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und ein freundlicher Umgang – das sind ein paar der Grundprinzipien, mit denen Menschen gut mit anderen Menschen auskommen. Hundehalter haben darüber hinaus die Verantwortung für ihren Vierbeiner. Gerade wenn sich zwei Halter mit ihren Hunden begegnen und noch nicht kennen, ist unklar, ob die Tiere sich verstehen werden. Hundetrainerin und Autorin mehrerer Bücher zur Hundeerziehung Sabine Winkler weiß, welche Grundsätze man in dieser Situation beachten sollte.

Wie verhalte ich mich, wenn der andere Hund angeleint ist? „Wenn der andere Hund angeleint ist oder sein Besitzer ihn offensichtlich zu sich ruft und bei sich behält, dann sollte ich mit meinem Hund genauso verfahren“, erklärt die Hundetrainerin. „In dem Fall sollten Halter ihren Hund also immer zu sich rufen und kontrollieren, zum Beispiel durch anleinen. Dann kann man gegebenenfalls fragen, ob ein Kontakt okay ist.“ Der eigene Hund sollte demnach also nicht eigenständig herumlaufen oder gar auf den anderen zustürmen. Und Kontakt sollte niemals ungefragt gesucht werden.

Für das Ansprechen des anderen Halters hat Winkler noch einen zusätzlichen Tipp: „Wünsche sollte man selbst immer freundlich in Ich-Botschaften äußern, also klarmachen, was man für sich selbst nicht möchte. Deswegen sagt man besser ‚Bitte lassen Sie Ihren Hund nicht an meinen ran‘ anstatt dem Gegenüber etwas vorzuschreiben wie ‚Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine!‘“

Ein weiterer Grundsatz ist für die Trainerin, die Wünsche des anderen Hundehalters zu respektieren, wenn der zum Beispiel keinen Kontakt wünscht: „Das kann viele Gründe haben: Er will mit seinem Hund trainieren, der Hund ist krank, alt oder etwa taub oder blind. Vielleicht verträgt er sich auch nicht mit Artgenossen, wird etwa aggressiv oder hat Angst.“

In dem Fall bringt es nichts, einen Kontakt doch irgendwie zu erzwingen oder sein Gegenüber zu belehren. Stattdessen sollte man dann ein paar Meter Abstand halten und weitergehen. „Empfehlenswert ist es, den Blickkontakt des eigenen Hundes dabei zu steuern, etwa mit Leckerchen oder indem man ihn anspricht. Wenn Hunde sich gegenseitig anstarren, kann das schnell als Drohung aufgefasst werden. Weggucken gilt unter Hunden dagegen eher als höflich und deeskalierend“, ergänzt die Expertin.

Die ersten Anzeichen, wenn kein Kontakt gewünscht ist, sind hin und wieder bereits von Weitem zu erkennen, bevor man überhaupt in Sprechreichweite zum Fragen ist. Viele Halter wechseln dann schon frühzeitig die Straßenseite oder versuchen anderweitig auszuweichen. Zudem sollen etwa Erkennungszeichen etabliert werden, die den Wunsch auf Abstand schon auf Distanz vermitteln sollen, beispielsweise über eine Schleife an Halsband, Geschirr oder Leine des Hundes.

Wohl am prominentesten wurde 2012 in Schweden das Gulahund Yellowdog Program gestartet, das mittlerweile in über zehn Ländern verbreitet ist. Eine gelbe Schleife an der Leine oder ein gelbes Halstuch signalisieren dabei schon auf Blickdistanz, dass Abstand gewünscht wird. „Die Gründe für dieses Signal sind recht vielfältig. Es kann sich um ängstliche, unsichere oder traumatisierte Hunde, beispielsweise aus dem Tierschutz handeln. Vielleicht ist der Hund auch krank, in Reha oder frisch operiert“, beschreibt Ramona Noack die individuellen Gründe. Sie ist Vorsitzende des Vereins Gelber Hund und Freunde e.V., dem deutschen Ableger des Gulahund-Programms. Da aber längst nicht alle Menschen und auch nicht alle Hundehalter über die Bedeutung der gelben Schleifen Bescheid wissen, sollte man im Zweifel immer höflich darauf hinweisen, dass man für seinen Hund gerade keinen Kontakt wünscht, wenn sich doch jemand nähert. Mehr Informationen zu Hintergründen und Geschichte des Programms finden Interessierte auf www.gulahund.de. IVH

Mensch-Hund-Team für tiergestützte Intervention

Mensch-Hund-Team für tiergestützte Intervention

Ausbildung „Mensch-Hund-Team für tiergestützte Interventionen“ erfolgreich abgeschlossen

Zum Ende des Jahres endete die aktuelle Ausbildung zum „Mensch-Hund-Team für tiergestützte Interventionen“ – ein bedeutender Meilenstein für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ihre vierbeinigen Partner.

Die sechsmonatige Qualifizierung ist von der ISAAT akkreditiert und von der AASI zertifiziert – zwei international anerkannten Fachorganisationen, die höchste Qualitätsstandards in der tiergestützten Arbeit garantieren. Entsprechend anspruchsvoll gestaltet sich die Ausbildung, in der sowohl theoretische Grundlagen als auch umfangreiche praktische Einheiten vermittelt werden.

Die angehenden Mensch-Hund-Teams erlernen unter anderem: • Grundlagen der Tiergestützten Intervention (TGI) • Ethologie, Stresssignale und Wohlbefinden des Hundes • Hygiene- und Sicherheitskonzepte • Methodik für Einsätze in Schulen, Pflegeeinrichtungen, Kliniken und sozialen Einrichtungen • Praxisübungen zur Teamarbeit, Kommunikation und Einsatzplanung

Ziel der Ausbildung ist es, Menschen in pädagogischen, therapeutischen oder sozialen Kontexten mithilfe gut ausgebildeter Hunde zu unterstützen – sei es bei der Förderung motorischer Fähigkeiten, der Stärkung emotionaler Kompetenzen oder der Aktivierung älterer Menschen.

Am Abschlusstag präsentieren die frisch zertifizierten Teams ihr erworbenes Wissen und ihre praktische Einsatzfähigkeit. Für viele von ihnen beginnt nun der Einstieg in eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die Mensch und Hund gleichermaßen fordert wie bereichert.

Das Mentoren- und Dozententeam zeigen sich stolz auf die hohe Motivation und Professionalität der diesjährigen Absolventinnen und Absolventen. Auch die beteiligten Hunde glänzten mit bemerkenswerter Arbeitsfreude und Gelassenheit.

Mit dem Abschluss der Ausbildung wird die Region um eine Gruppe qualifizierter Mensch-Hund-Teams bereichert, die künftig wertvolle Arbeit in der tiergestützten Intervention leisten werden.

Folgende Teams haben die Ausbildung erfolgreich beendet: Ulrike Bauer-Trolp (Lichtenfels), Kia Breuer (Nürnberg), Andrea Rexhäuser (Steinach/Thür.), Jasmin Prang (Meiningen), Natalia Bauer (Lichtenfels), Christiane Geiger (Schalkau), Eva Konrad (Kronach), Karin Brem (Marktleuthen), Daniela Schindler (Thierstein), Kerstin Niermann (Weidach), Eva Bayer (Kronach) und Marina Pompe (Kronach).

Von Grasfressen bis Schlammwälzen

Von Grasfressen bis Schlammwälzen

In der langen Zeit, die Hunde und Menschen schon zusammenleben, haben sich die meisten Menschen ein gewisses Grundverständnis für das Verhalten der Tiere angeeignet. Manchmal kommt aber doch Unsicherheit auf: Ist es normal, dass der Hund Gras frisst oder sich im Schlamm wälzt? Ab wann sollte das untersucht werden? Und was kann ich als Halter dagegen tun?

Wann verhält sich ein Hund normal und wann ist sein Verhalten auffällig? Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“, sagt: „Wenn wir uns diese Frage stellen, denken wir oft an Verhaltensweisen, die zum Normalverhalten gehören, aber für uns Menschen ein Problem darstellen. Je nach Erfahrungen und Rasse zeigen Hunde etwa ein mehr oder weniger ausgeprägtes Jagdverhalten und müssen entsprechend kontrolliert werden oder sie zeigen in anderen Situationen zum Beispiel laut bellend, dass sie Angst haben. Auch aggressives Verhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes und dient der Kommunikation. Aggressivität und ‚Gefährlichkeit‘ sind jedoch nicht gleichzusetzen. Das Hund-Halter-Team spielt bei der Beurteilung der Gefährlichkeit eine bedeutende Rolle.“ Bedenken sollte man zudem immer, dass Hunde sich auch bei verschiedenen Personen unterschiedlich verhalten können. Während der Vierbeiner sich an der einen Person orientiert, bekommt oder nutzt er bei der anderen vielleicht mehr Freiheiten.

Dem gegenüber verortet die Expertin krankhafte Störungen, die unbedingt untersucht werden sollten: „Dann ist ein Hund so beeinträchtigt, dass er kein Normalverhalten mehr in bestimmten Situationen zeigt. Sehr bekannt ist das zwanghafte Schwanzjagen, was viele leider als lustig wahrnehmen, oder aber beispielsweise eine generalisierte Angststörung. Dann ist das Tier eventuell gar nicht mehr abrufbar und weigert sich mitunter sogar, vor die Tür zu gehen.“

Warum genau Hunde sich so gerne in Schlamm oder stinkenden Überresten und Hinterlassenschaften anderer Tiere wälzen, ist noch nicht endgültig geklärt. „Man kann da bisher wirklich nur von verschiedenen Meinungen sprechen. Sich in etwas Starkriechendem zu wälzen, könnte bedeuten, dass die Hunde den eigenen Geruch übertünchen wollen, damit sie nicht von ihrer etwaigen Beute wahrgenommen werden. Die Forscherin Pat Goodman hat unter anderem das Geruchswälzen bei Wölfen untersucht und ist der Meinung, dass es dazu dienen könnte, Informationen über die Umgebung auf diese Art dem Rudel mitzuteilen“, erklärt Dr. Ketter. Weitere Erklärungsansätze wären, damit einen Juckreiz zu lindern oder schlicht und einfach Spaß, sich in etwas herumzurollen.

Das Verhalten ist also nicht ungewöhnlich – durch den Schmutz und den unangenehmen Geruch wollen es viele Halter dennoch vermeiden. Am einfachsten ist das, indem man für die Gassirunde Wege wählt, die wenig Chancen zum Wälzen bieten oder indem der Hund über Leine oder Rückruf kontrolliert wird. Hat er sich doch einmal in einer Pfütze ausgetobt, sollten Halter das Fell vorsichtig mit geeigneten Mitteln reinigen. Besonders Schlamm, der schon verhärtet ist, sollte dabei eingeweicht und behutsam entfernt werden.

Hier gilt ebenfalls: Warum genau Hunde Gras fressen, ist noch nicht eindeutig beantwortet. Die einen vermuten darin eine Möglichkeit, etwas Wasser aufzunehmen, andere eine Unterstützung bei der Verdauung. Es kann auch als Schutz vor Fremdkörpern dienen, weil es den Hunden hilft, sich zu erbrechen.

„Wenn ein Hund mal ein bisschen Gras frisst, ist das also nicht schlimm. Wenn es aber sehr viel wird oder er sogar fordert, extra dafür in den Garten gelassen zu werden, dann sollte man das unbedingt untersuchen lassen. Das kann sowohl etwas Organisches sein, wenn zum Beispiel ein Fremdkörper verschluckt wurde, oder aber psychische Gründe haben“, sagt die Tierverhaltensmedizinerin.

Obwohl dieses Verhalten grundsätzlich nicht schädlich ist, sollten Halter auf ein paar Dinge achten. Beispielsweise sollte der Hund regelmäßig entwurmt werden. Und man sollte bei der Gassirunde Wiesen und Äcker vermeiden, auf denen Pestizide eingesetzt werden oder für den Hund giftige Pflanzen wachsen.

„Auch Knurren wird immer wieder mal falsch eingeschätzt. Das sollte man unter keinen Umständen versuchen abzutrainieren, weil es ein wichtiges Kommunikationsmittel für den Hund ist“, erklärt Dr. Ketter. Knurrt ein Hund allerdings nicht nur in einer einzelnen Situation, sondern ist dies an der Tagesordnung, sollten sich Halter Unterstützung bei Verhaltensspezialisten oder Hundetrainern suchen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Das sind natürlich nur einige wenige Beispiele für Verhaltensweisen, welche Hundebesitzer nicht immer sicher einschätzen können. Grundsätzlich gilt: Wenn beim eigenen Hund ein auf den ersten Blick merkwürdiges Verhalten auffällt, das er bisher nicht gezeigt hat, dann kann man das immer auch beim nächsten Tierarztbesuch ansprechen und eine Experteneinschätzung einholen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Übersichten zu Hundeschulen und Verhaltensberatungen. Eine solche Übersicht bietet unter anderem etwa der BHV – Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. auf seiner Website. IVH

Kleiner Hund ganz groß

Kleiner Hund ganz groß: Tipps für Halter

Hunde kleiner Rassen sind äußerst beliebt – werden aber oft nicht ganz ernst genommen, wenn sie sich bellend Gehör verschaffen wollen. Viele Menschen sorgen zudem unbewusst für Unsicherheit bei den kleinen Fellnasen, weil sie diese einfach hochheben und so in ihrer Bewegung einschränken. Halter können ihre Tiere dabei unterstützen, sich in der großen Welt zurechtzufinden und auch mit größeren Artgenossen souverän umzugehen.

Nach einer Erhebung des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) e.V. und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) lebten 2022 über zehn Millionen Hunde in Deutschland. Knapp ein Drittel davon sind Hunde zwischen fünf und zehn Kilogramm, also zum Beispiel Jack Russell Terrier. Seit Jahren steigt aber auch die Zahl der kleinsten Rassen wie Yorkshire Terrier und Chihuahua. Letztere zählen zu den beliebtesten Hunderassen in Deutschland.

Nadja Kopp ist Hundeverhaltensberaterin und Hundetrainerin und arbeitet in ihrem Alltag häufig mit kleinen Hunderassen: „Das Besondere an ihnen ist, dass sie oft überdimensional selbstbewusst sind. Sie wissen nicht, dass sie klein sind.“ Umso wichtiger ist für die Expertin daher, dass die Tiere in einem sicheren Umfeld Sozialkompetenz lernen, etwa in einer Hundeschule. Im Idealfall werden sie schon im jungen Alter an den Umgang mit kleinen und großen Artgenossen gewöhnt. Aber auch die Halter müssen auf ein paar Besonderheiten achten. „Man sieht oft kleine Hunde, die vom Arm der Besitzer pöbeln oder lautstark ihr Futter verteidigen. Weil die Tiere aber so klein sind, nehmen viele das nicht ernst und sorgen dadurch natürlich für Unsicherheit“, erklärt Kopp. „Man sollte sie auch nicht ständig hochheben, denn dann kann der Hund sich nicht selbstständig zurückziehen.“ Zudem wirkt es auf manche Hunde bedrohlich, wenn man sich von oben herab zu ihnen herunterbeugt – besser ist, sich von vorn anzunähern, sodass das Heimtier einen kommen sieht.

Grundsätzlich ist die von Menschen gestaltete Umwelt selbstverständlich an die Größe von Menschen angepasst. Größere Hunde haben damit meist weniger Probleme, für sehr kleine Rassen können aber schon Treppen zur Herausforderung werden. „Für Dackel oder Chihuahuas können Stufen sehr anstrengend oder sogar schädlich sein. Dann macht es schon Sinn, sie daran zu gewöhnen, auf dem Arm oder in einer offenen Tasche getragen zu werden. Gleiches gilt beispielsweise auch für den Einstieg ins Auto“, sagt die Hundetrainerin. „Wenn der Hund zu Hause auch einen Platz auf dem Sofa bekommen soll, dann gibt es dafür außerdem spezielle Treppen und Rampen.“

Trotz ihrer Größe können kleine Hunderassen aber auch überraschen, wenn es um ihre körperlichen Fähigkeiten geht. Nachdem sie sich an die Belastung gewöhnt und entsprechende Muskeln und Kondition aufgebaut haben, sind auch längere Spaziergänge meist kein Problem und beim gemeinsamen Spielen und Toben zeigen die Vierbeiner große Ausdauer. Dabei aber trotzdem unbedingt an regelmäßige Pausen denken.

Bei Fahrradtouren kann hingegen das Tempo schnell zum Problem für die kurzen Hundebeine werden. Hier bietet es sich an, seinen tierischen Begleiter an das Mitfahren im Fahrradkorb oder Anhänger zu gewöhnen und ihn dann etwa bei einer Pause oder am Zielort etwas laufen zu lassen.

Für den Winter hat Nadja Kopp noch einen Tipp: „Viele kleine Hunderassen haben nur wenig Fell und wenig bis keine Unterwolle. Bei unter zehn Grad frieren sie schnell und brauchen gegebenenfalls einen Regen- oder Kälteschutz. Dazu sollte man auf Zittern achten; man kann aber auch an den Ohren testen, ob sie sich kühl anfühlen.“ IVH

Ziemlich beste Freunde

Mensch und Tier: Ziemlich beste Freunde, nicht nur zu Weihnachten

Wenn draußen die Winterkälte herrscht, sorgt das Schnurren einer Katze oder das Kuscheln mit dem Hund für innere Wärme. Hunde und Katzen sind nicht nur treue Begleiter im Alltag, sondern schenken gerade in der grauen Jahreszeit und auch an den Feiertagen besondere Momente der Freude und des Trostes. Positive Effekte auf körperliche und mentale Gesundheit sind vielfach belegt.

Studien zeigen: Streicheln senkt Stress und Herzfrequenz. Das Spielen mit Hund oder Katze und Spaziergänge mit dem Hund bringen Bewegung und Struktur in die Feiertage. Das Zusammensein mit Tieren fördert die Ausschüttung von Oxytocin - dem Hormon der Verbundenheit, das Gefühle von Nähe auslöst und Stress und Ängste abbaut.

Gerade für ältere Menschen oder Alleinlebende sind Haustiere in der grauen Jahreszeit und auch zu Weihnachten ein wertvoller sozialer Anker. Sie schenken Routine, Gesellschaft und das Gefühl, gebraucht zu werden. Katzen und Hunde mit ihrem ruhigen Verhalten und aktiven Aufforderung nach Aufmerksamkeit tragen dazu bei, dass die Feiertage nicht von Einsamkeit, sondern von Wärme geprägt sind.

Bürohunde begleiten ihren Menschen auch im Alltag und tragen nachweislich zur Verringerung von Stress und Verbesserung des Arbeitsklimas bei. Therapie- und Besuchshunde sowie Tiere in Krisenteams zeigen, dass die positiven Wirkungen weit über den privaten Kontakt hinausgehen.

Eine gute Beziehung funktioniert jedoch nur, wenn beide Seiten davon profitieren. Die Fürsorge für das Tier ist elementarer Teil dieser besonderen Beziehung. Hunde und Katzen brauchen nicht nur Futter, Auslauf und einen Rückzugsort, sondern auch

Sicherheit, Zuwendung und geistige Anregung. Auch die tierärztliche Betreuung und Vorsorge gehören dazu. Studien zeigen die hohe Verantwortung des Menschen für sein Tier. Die überwiegende Mehrheit der Halter räumt der Gesundheit ihres Haustieres einen hohen Stellenwert ein. Sie finden, dass die Gesundheit des Tieres mindestens ebenso wichtig ist wie die eigene. Mehr als 85 Prozent sagen, sie würden alle notwendigen Kosten für die tierärztliche Versorgung übernehmen - klare Zeichen dafür, dass Haustiere als vollwertige Familienmitglieder gesehen werden.

Ob beim Spaziergang durch verschneite Straßen, beim gemeinsamen Spiel oder beim ruhigen Abend vor dem Weihnachtsbaum: Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist ein Geschenk, das Gesundheit, Lebensfreude und Wohlbefinden auf beiden Seiten stärkt. Wer Zeit, Verständnis und Achtsamkeit gibt, wird mit einer tiefen Freundschaft belohnt - einer Verbindung, die nicht nur zu Weihnachten spürbar wird. (ots)

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Hundetraining im Alltag

Hundetraining im Alltag: Kleine Routinen mit großer Wirkung

Mit dem Welpen monatelang in der Hundeschule üben? Das muss nicht unbedingt sein. Sicherlich ist es gerade dann, wenn man erstmals Hundehalter ist, eine sinnvolle Überlegung, die Grundkenntnisse in einer Hundeschule zu erlernen. Ebenso wichtig ist aber, das Erlernte gleich in den neuen Alltag mit Vierbeiner zu integrieren. Oft sind es die kleinen, regelmäßig wiederholten Übungen, die entscheidend dazu beitragen, dass ein Hund gelassen und aufmerksam bleibt.

Ob beim Spaziergang, im Haus oder beim Autofahren – jeder Moment im Zusammenleben mit einem Hund kann Teil des Trainings sein. „Erziehung funktioniert am besten, wenn sie selbstverständlich in den Alltag integriert wird“, erklärt Verena Helfrich, langjährige Hundetrainerin und Buchautorin. „Kurze, wiederkehrende Übungen fördern die Aufmerksamkeit des Hundes und können gleichzeitig die Bindung zum Halter stärken.“

Alltagssituationen bieten Lernchancen und Sicherheit Hunde lernen am besten in ihrem gewohnten Umfeld. Wer alltägliche Situationen nutzt, schafft Klarheit und hilft dem Vierbeiner, das Gelernte mit dem Alltag zu verknüpfen. Strukturierte Abläufe bieten dabei außerdem Sicherheit und Orientierung. Das Training erfordert aber auch Konsequenz: Das Gelernte verfestigt sich nur, wenn identische Übungen mit gleichbleibenden Inhalten wiederholt werden. Der Hund weiß bald, was in welcher Situation von ihm erwartet wird und wie wiederkehrende Kommandos gemeint sind.

Schon wenige Minuten auf Spaziergängen oder unterwegs reichen aus, um wichtige Grundfähigkeiten zu trainieren:

Sitz und Bleib: Im Alltag ist es in vielen Situationen hilfreich, wenn ein Hund ruhig an einer Stelle bleibt und sich hinsetzt oder -legt. Sei es beim Warten an einer Ampel, während eines Cafébesuchs oder als Mitfahrer in Auto oder Bahn. Grundlegende Signalwörter wie „Sitz“ oder „Bleib“ bringt man ihm am besten in Ruhe zu Hause oder in der Hundeschule bei – ebenso wie ein Signal, dass er sich wieder bewegen darf. In den tatsächlichen Alltagssituationen festigt sich das Verhalten dann und man sollte loben, wenn der vierbeinige Gefährte wie gewünscht sitzenbleibt und wartet, bis das Signal zum Weitergehen kommt.

Rückruf: Ein weiteres wichtiges Element, einen Hund zu kontrollieren, ist ein Rückrufsignal, auf das er sofort reagiert und angelaufen kommt. Das kann ein Signalwort sein, aber auch ein gleichbleibendes und eindeutiges Geräusch wie ein Pfiff mit Mund oder Hundepfeife. Zu Beginn brauchen viele Tiere ruhige und reizarme Orte, um sich auf das Geräusch zu konzentrieren. Durch positive Verstärkung wie Lob oder Leckerli verknüpft sich das Verhalten mit dem Signal. Aber auch dann, wenn der Vierbeiner die Übung scheinbar perfekt beherrscht, sollte sie regelmäßig wiederholt und er entsprechend belohnt werden – damit der Rückruf gerade auch in lauten Umgebungen funktioniert oder wenn der Hund gerade abgelenkt ist.

Leinenführigkeit: Leinenführigkeit bedeutet, dass ein Hund an lockerer Leine entspannt neben seinem Menschen läuft und sich an diesem orientiert, statt selbst in eine Richtung zu ziehen. Um das zu trainieren, bieten sich regelmäßige Übungseinheiten an, bei denen der Vierbeiner stets aufmerksam bleiben muss. Folgt er wie gewünscht, sollte er gelobt werden. Gewöhnung an Berührungen: Sowohl bei der Pflege zu Hause als auch für Besuche beim Tierarzt oder Hundefriseur ist es wichtig, dass das Heimtier daran gewöhnt ist, an empfindlichen Stellen wie Ohren oder Pfoten berührt zu werden. Durch regelmäßige Wiederholungen stellt sich eine Routine ein.

Gemeinsames Spiel: Spielen klingt zunächst einmal nicht nach Training. Tatsächlich lassen sich dabei aber viele Kommandos ganz natürlich üben und in den Alltag integrieren. Bei der sogenannten Nasenarbeit, wenn der Hund ein Objekt mit einem bestimmten Geruch erschnüffeln soll, wird er mental gefordert. Dazu eignen sich beispielsweise Teebeutel. Auch Apportieren bereitet vielen Hunden Spaß und lässt sich einfach in die Gassirunde einplanen.

Der Hund lernt also umso besser, je spielerischer und unbeschwerter das Training gestaltet ist. „Wichtig ist, regelmäßig zu üben, statt lange Einheiten anzusetzen. Fünf Minuten pro Tag sind oft wirkungsvoller als eine Stunde am Wochenende“, sagt Expertin Helfrich. „Das Schöne ist: Training im Alltag erfordert selten viel zusätzliche Zeit – man muss nur die Gelegenheiten erkennen und nutzen.“ IVH

Mit Hund ins Restaurant und Café:

Mit Hund ins Restaurant und Café: Zutritt mit Regeln

Als bester Freund des Menschen nehmen Hunde immer stärker am Alltag ihrer Halter teil. Da ist es kaum verwunderlich, dass immer mehr Hundehalter ihren Vierbeiner auch mit ins Restaurant nehmen möchten und dass das immer häufiger auch zugelassen wird. Die Entscheidung dafür liegt nach aktueller Rechtsprechung größtenteils beim Betreiber.

Auch in den vergangenen Sommermonaten machten Halter und ihre Hunde nach einem Spaziergang gern noch einen kurzen Halt im Außenbereich eines Restaurants oder Cafés. Herbst und Winter laden im Gegensatz dazu doch eher in den Innenbereich ein. Aber: Werden Hunde draußen einfach toleriert oder sind sie im Restaurant ganz grundsätzlich erlaubt?

Der auf Tierrecht spezialisierte Anwalt Frank Richter sagt: „Generell sind die Zugangsrechte für Hunde in ein Restaurant nicht gesetzlich geregelt: Hier gilt reines Hausrecht des Restaurantbetreibers.“ Jeder Betreiber kann also selbst entscheiden, ob Hunde im Außen- und/oder Innenbereich erlaubt sind. Lediglich die Küche und Lagerräume sind tabu, da hier besondere Hygienevorschriften greifen. Zusätzliche Kriterien wie beispielsweise die Größe des Hundes oder ein Zugangsverbot bei viel Betrieb liegen ebenfalls im Hausrecht. Weitere denkbare Vorschriften wären etwa das Tragen eines Maulkorbs oder eine Leinenpflicht. Halter können dazu im Vorfeld einfach anrufen oder vor Ort nachfragen. „Im Grunde ist ein Betreiber vollkommen frei, hier zu bestimmen, was auch immer er will. Eine Ausnahme bilden aber Hundeverordnungen, die mancherorts für meist einzelne Rassen beispielsweise Maulkorb- oder Leinenzwänge vorschreiben. Darüber darf er sich nicht hinwegsetzen. Die andere große Ausnahme sind Begleithunde, vor allem für Sehbehinderte“, erklärt Richter.

„Ein Begleithund zählt nicht als Hund, er ist ‚Teil‘ der unterstützten Person, so wie eine Brille oder ein Spazierstock. Bei der Verweigerung des Zutritts mit einem Assistenzhund kann eine Benachteiligung gemäß § 7 Absatz 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorliegen“, verweist der Anwalt auf das Gesetz. „Außerdem greift seit dem 1. Juli 2021 die neue Regelung des § 12e Behindertengleichstellungsgesetz (BGG). Danach sind alle Betreiber einer typischerweise für den allgemeinen Publikumsverkehr öffentlich zugänglichen Anlage oder Einrichtung verpflichtet, Menschen mit Behinderung, die auf einen Assistenzhund angewiesen sind, den Zutritt nicht wegen der Begleitung durch einen Hund zu verweigern.“

Eine Grundlage für den Restaurantbesuch sollte sein, dass der Hund still an seinem Platz liegen bleibt und andere Gäste nicht belästigt. Dabei kann es helfen, wenn er auf seiner vertrauten Decke liegt. Halter sollten das mit ihrem Tier üben. Wer seinen Vierbeiner mit einem Spaziergang auspowert und ihn bereits vor dem Restaurantbesuch füttert, umgeht damit ein mögliches Betteln.

Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass das Restaurant nicht überfüllt ist und der Hund dadurch gestresst wird. Bei der Platzwahl sollten Halter außerdem darauf achten, dass der Tisch eher in einer Ecke steht und Gäste sowie Personal nicht Gefahr laufen, über den am Boden liegenden Hund zu stolpern oder ihm auf die Pfoten zu treten. Dann steht einem entspannten Restaurantbesuch mit der Fellnase nichts mehr im Weg. IVH

Hautprobleme beim Vierbeiner erkennen und behandeln

Hautprobleme beim Vierbeiner erkennen und behandeln

Die Haut erfüllt bei Hunden grundsätzlich ähnliche Aufgaben wie bei Menschen: Sie schützt unter anderem vor äußeren Einflüssen wie Bakterien oder Parasiten und reguliert die Körpertemperatur. Zudem machen sich verschiedene Krankheiten über Hautprobleme bemerkbar. Entsprechend wichtig ist es, dass Hundehalter Hautveränderungen bei ihrem Begleiter frühzeitig erkennen und im Zweifelsfall tierärztlich abklären lassen.

Stumpfes Fell, kahle Stellen, ständiges Kratzen oder Rötungen – die Haut eines Hundes kann eine Vielzahl an Symptomen für eine ebenfalls große Vielfalt an Ursachen zeigen. „Probleme mit der Haut können oft schon frühzeitig auf Krankheiten hindeuten, die erst mit Laboruntersuchungen eindeutig festgestellt werden können“, erklärt Tierärztin Dr. Steffi Schmidt. „Viele systemische Erkrankungen, beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion oder Leberprobleme, können damit in einem frühen Stadium behandelt werden.“

Hautprobleme sind häufig auf die folgenden Ursachen zurückzuführen:

Allergien: Flohspeichel, Milben, Pollen oder auch Futtermittel können beim Hund allergische Reaktionen hervorrufen. Diese zeigen sich häufig durch starken Juckreiz, Rötungen oder Entzündungen der Haut.

Parasiten: Flöhe, Zecken, Milben und Co. können auch abseits von Allergien zu Juckreiz und Hautirritationen führen.

Pilzinfektionen: Runde, haarlose Stellen mit verstärkter Schuppenbildung können auf eine Infektion hinweisen, die unbedingt behandelt werden sollte.

Bakterielle Entzündungen: Hautentzündungen sind häufig eine Folgeerscheinung anderer Probleme der Haut und entstehen, wenn sich ein Hund beispielsweise bei Juckreiz mit Kratzen Abhilfe verschafft.

„Grundsätzlich kann jeder Hund unter Hautproblemen und -erkrankungen leiden“, sagt die Tierärztin. „Hunde mit starker Faltenbildung wie Möpse, Bulldoggen oder Cocker Spaniel sind allerdings besonders anfällig. In den Hautfalten kommt es schneller zu einem Feuchtigkeitsstau und bakterielle Infektionen können entstehen.“ Wenn Hautveränderungen sehr plötzlich auftreten, starker Juckreiz besteht (Kratzen oder Belecken) oder sich Rötungen, Krusten, Pusteln, nässende oder offene Stellen zeigen, sollte man diese untersuchen lassen. Wenn der Tierarzt alle medizinischen Ursachen für den Juckreiz ausschließt, kann auch ein psychisch bedingtes Verhalten infrage kommen.

Sowohl Hunde mit Allergien, die sich häufig kratzen oder belecken, als auch ältere Hunde, die oft unter trockener oder schuppiger Haut leiden, profitieren von einer besonderen Pflege, erklärt Dr. Schmidt. Pflegeprodukte aus dem Zoofachhandel, etwa Hundeshampoos mit Chlorhexidin oder rückfettenden Inhaltsstoffen, können hier eine wichtige Rolle einnehmen. „Durch das Waschen und Pflegen bleiben weniger Keime zurück und die Haut kann ihrer natürlichen Schutzfunktion wieder besser nachkommen. Im Idealfall braucht es dann weniger oder gar keine Medikamente zur Behandlung“, so die Tierärztin. Es ist in jedem Fall sinnvoll, Hautveränderungen vom Tierarzt begutachten zu lassen, damit er passende Produkte oder weiterführende Behandlungen empfehlen kann.

Vorbeugend für eine gesunde Haut wirken zudem eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Fellpflege und eine saubere Umgebung. So können Halter dazu beitragen, dass sich der Vierbeiner rundum wohl in seiner Haut fühlt. IVH

Wenn der Hund ständig durstig ist…

Wenn der Hund ständig durstig ist…

Wenn der Hund plötzlich ständig Durst hat: Diabetes erkennen und behandeln

Nicht nur Menschen können an Diabetes mellitus erkranken, auch Haustiere sind betroffen. Diabetes gehört sogar zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen in der Kleintiermedizin. Auch Hunde können im Laufe ihres Lebens die sogenannte "Zuckerkrankheit" entwickeln. Zum Weltdiabetestag am 14. November sollten Hundehaltende für die wichtigsten Warnsignale sensibilisiert sein. Aber auch Zuversicht haben: Früh erkannt ist die Erkrankung gut behandelbar.

Die typischen Symptome sind auf den ersten Blick unspezifisch und können leicht übersehen werden: vermehrtes Trinken, häufiges Wasserlassen, gesteigerter Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust, allgemeine Schwäche oder ein stumpfes Fell. Auch eine Trübung der Augenlinse (Grauer Star) kann ein Hinweis sein. Treten solche Veränderungen auf, sollte das Tier unbedingt tierärztlich untersucht werden. Eine einfache Blut- oder Urinuntersuchung liefert schnell Klarheit.

Im Gegensatz zum Menschen, bei dem Diabetes oft in zwei Typen unterschieden wird, erkranken Hunde fast ausschließlich an Typ 1. Dabei produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin mehr. Ohne dieses Hormon kann Zucker aus dem Blut nicht in die Zellen transportiert werden, der Körper verliert seine wichtigste Energiequelle.

Die Therapie besteht in der Regel aus einer lebenslangen Insulinbehandlung, die von den Tierhaltenden nach tierärztlicher Einweisung zu Hause durchgeführt wird. Anfangs erfordert die Einstellung Geduld und enge Kontrollen, bis die richtige Dosis gefunden ist. Viele Hunde sind nach einigen Wochen jedoch stabil und können ein fast normales Leben führen. Unterstützend helfen eine angepasste Fütterung mit speziellen Diätfuttermitteln, regelmäßige Bewegung und eine konsequente Routine im Alltag.

Eine Diabetesbehandlung bedeutet Verantwortung - aber sie ist machbar. Nach der Eingewöhnungsphase gehört die Insulinspritze für viele Halterinnen und Halter einfach zum Tagesablauf, ähnlich wie das Gassi gehen. Hilfreich ist es, ein kleines "Diabetes-Tagebuch" zu führen, um Wasseraufnahme, Appetit und Aktivität im Blick zu behalten.

Auch wenn die Diagnose Diabetes zunächst erschreckt: Mit Geduld und guter tierärztlicher Betreuung lässt sich die Krankheit so managen, dass betroffene Hunde lange aktiv und lebensfroh bleiben. Der Schlüssel liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Tierarztpraxis und Tierhaltenden.

(Bundesverband für Tiergesundheit e.V.)

Auch Hunde können unter Depressionen und Angststörungen leiden

Auch Hunde können unter Depressionen und Angststörungen leiden

Depressionen, Angststörungen und weitere psychische Erkrankungen werden in der Gesellschaft immer stärker wahrgenommen und respektiert. Doch nicht nur wir Menschen, sondern auch Hunde können unter solchen Erkrankungen leiden. Dr. Sandra Foltin ist Biologin und Psychologin und hat dazu das Buch „Black Dog“ verfasst, das zentrale Studien und Ergebnisse aufgreift.

Folgt man den gängigen WHO-Definitionen für mentale Erkrankungen, dann lassen sich nach Dr. Foltin auch bei Hunden viele psychische Erkrankungen feststellen, unter anderem:

Essstörungen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und altersbedingte Erkrankungen wie Demenz.

Das Feld ist breit gefächert und es gibt jedes Jahr neue Erkenntnisse. „Essstörungen bei Hunden sind in der Forschung noch ein relativ neues Feld, dazu gibt es erst sehr wenige Studien. Zu Angststörungen existieren dagegen durchaus schon ältere Untersuchungen, aber vor allem gibt es eins: belastbare Studien mit einer größeren Zahl an Hunden und Rassen“, fasst Dr. Foltin die zunehmende Relevanz dieses Wissenschaftsfeldes zusammen. Ein großes Problem, mentale Erkrankungen bei Hunden zu erforschen, liege darin, dass sich die vielen Hunderassen mitunter stark voneinander unterscheiden und Erkenntnisse selten allgemeingültig sind: „In erster Linie werden zum Beispiel Retriever, Beagle und Schäferhunde erforscht, die sehr verbreitet sind. Auch Bullterrier werden häufig genommen – hier liegt es aber eher an genetischen Besonderheiten der Rasse, die diese interessant macht.“ In den letzten Jahren seien aber auch erste rassespezifische Studien entstanden, die eine mögliche Kopplung mit anderen Verhaltensauffälligkeiten der untersuchten Tiere zulassen.

Auffällig sei, dass gerade Hütehunde verhältnismäßig häufig von Angst- oder Zwangsstörungen oder ADHS betroffen sind, also beispielsweise Australian Shepherd, Border Collie oder Schäferhund. „Hütehunde wurden gezielt darauf gezüchtet, besonders aufmerksam, geistig und körperlich schnell und hochsensibel zu sein. Diese Attribute haben sich dann immer stärker ausgeprägt, resultieren aber leider oft in Merkmalen wie der Jagd nach Schatten oder imaginären Fliegen“, sagt die Psychologin. Ein Problem sei, dass diese Zwangsstörungen in der Zucht mitunter nicht wahrgenommen oder ignoriert werden. Halter sollten sich daher immer auch den Zustand und die Lebensbedingungen der Elterntiere ansehen und sich so gut es geht vergewissern, dass der Züchter seriös arbeitet.

So wie beim Menschen äußern sich beispielsweise Depressionen auch beim Hund nicht durch ein einzelnes klares Merkmal. Vielmehr gibt es viele verschiedene Anzeichen, zum Beispiel Freudlosigkeit, fehlende Motivation, Antriebs- oder Appetitlosigkeit. „Wenn viele typische Symptome auf den Hund zutreffen, dann sollte man einen Tierarzt aufsuchen, der das Thema psychische Erkrankungen bei Tieren ernst nimmt“, rät die Biologin. „Zuerst wird dort festgestellt, ob eine körperliche Ursache vorliegt. Es gibt also eine körperliche Untersuchung und es wird ein großes Blutbild gemacht. Danach sucht man nach anderen Erklärungen: Gab es zum Beispiel kürzlich einen Trauerfall, der das Tier mitgenommen haben könnte? Erst dann geht es gegebenenfalls weiter zu einem Verhaltenstherapeuten und möglicherweise werden von einem sachkundigen Veterinärmediziner Medikamente verschrieben.“

Entsprechende Spezialisten sind bisher aber äußerst selten in Deutschland und die häufig große Entfernung steht dann einer Behandlung oft im Weg. Eine Erstberatung kann aber immer auch über Videoanrufe erfolgen, sodass die Distanz nicht mehr ganz so relevant ist. Insbesondere bei Angsthunden habe sich das schon sehr profiliert, so Dr. Foltin.

Hundehalter können eine psychische Erkrankung bei ihrem Tier zwar nicht mit vollkommener Sicherheit verhindern – ein paar Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, sieht Dr. Foltin aber doch:

Der Alltag des Hundes sollte ihn zwar mental fordern, aber nicht überfordern. Es sollte immer Möglichkeiten geben, dass der Hund nach eigener Entscheidung erkunden und erschnüffeln darf. Da Hunde die Befindlichkeiten in ihrer Umgebung spiegeln können, können sich auch Streit und Stress zu Hause auf das Tier auswirken. Halter sollten deshalb im Umgang mit dem Tier möglichst Ruhe bewahren. Zentral sei aber vor allem, die Kommunikation des Hundes lesen zu lernen: „Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Halter nicht ausreichend gut darin sind, ihre Hunde zu verstehen. Selbst wenn es deutliche Anzeichen gibt, werden Symptome häufig übersehen oder nicht ernst genommen“, warnt die Expertin.

Unabhängig davon, Krankheitssymptome zu erkennen, ist es von Beginn des Zusammenlebens mit einem Hund an wichtig, die Art und Weise, wie er mit uns kommuniziert, zu übersetzen und richtig zu deuten. Neben der zahlreichen Literatur bietet es sich immer an, in einer fachkundigen Hundeschule, die auf positive Verstärkung setzt, mehr über die Besonderheiten der Hunde-Kommunikation zu erfahren. Hat man Anhaltspunkte, dass sich das Verhalten des eigenen Tieres verändert, sollte man dies über einen gewissen Zeitraum beobachten und beim nächsten Tierarztbesuch ansprechen. IVH